- VDV will schneller werden
- Elektrobusse sind Mangelware
- Indirekte Kritik an Dobrindts Vielfahrer-These
- Mehr Geld für ÖPNV gefordert
Die öffentlichen Verkehrsunternehmen erheben den Anspruch, das „Betriebssystem für die Mobilität der Zukunft“ in Deutschland aufbauen zu können. Das ließ die Spitze des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) am Mittwoch zu Beginn seiner Jahrestagung in Hannover durchblicken. „Wir wollen im Konzert der Plattformen mitspielen“, sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff vor Journalisten. Er spielte damit auf die Bestrebungen von Autoherstellern und Digitalunternehmen wie Uber, Google und Apple an, umfassende Mobilitätsdienstleistungen anzubieten oder zu vermitteln.
Ziel des VDV ist, das der Verbraucher auf der Basis einer neuen nationalen Mobilitätsplattform nicht nur öffentliche Verkehrsmittel unternehmens- und verbundübergreifend buchen kann, sondern auch auch andere Verkehrsträger wie zum Beispiel Carsharing-Autos, Mietfahrräder oder Fernbusse. Mit den Unternehmen im privaten Busverband BDO sei man bereits im Gespräch. Er betonte, es gehe nicht um eine „schönere App“; vielmehr werden die Unternehmen weiter mit ihren eigenen Apps beim Kunden auftreten, aber unter der Oberfläche eben auch weitere Leistungen anbieten können. Der VDV entwickelt die Plattform gegenwärtig unter dem Projektnamen „Mobility inside“. Aktuell stehe die Gründung einer Projektgesellschaft an.
VDV will schneller werden
Wolff räumte ein, dass die Branche unter erheblichem politischem Druck stehe, das Projekt schnell umzusetzen. „Wir werden das nicht mit üblichen Verbandsprozessen gestalten“, kündigte er an. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hatte Anfang dieses Jahres 16 Mio. EUR für Projekte zur digitalen Vernetzung im ÖPNV bereitgestellt, aber gleichzeitig die Erwartung formuliert, dass bis 2019 Papierfahrkarten weitgehend überflüssig werden. Nur ausweichend äußerte sich Wolff, wie es mit dem E-Ticket Deutschland weitergeht.
VDV-Präsident Jürgen Fenske forderte die Politik auf, sich in der nächsten Legislaturperiode das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) vorzunehmen. Das sei allein schon wegen des Markteintritts der neuen digitalen Plattformunternehmen (siehe oben) notwendig.
Elektrobusse sind Mangelware
Noch in den Kinderschuhen steckt das Thema Elektrobusse. Fenske machte zwar ein reges Interesse in den Unternehmen aus; der aktuell noch doppelt so hohe Anschaffungspreis gegenüber Dieselbussen mache den Einsatz ohne zusätzliche öffentliche Förderung aber unwirtschaftlich. Enttäuschung ließ über das zögerliche Verhalten der deutschen Bushersteller durchblicken. „Ich sehe mit Interesse, dass der chinesische Hersteller BYD in Frankreich eine Produktion aufbaut.“
Indirekte Kritik an Dobrindts Vielfahrer-These
Er warnte allerdings vor zu hohen Erwartungen der Politik an Elektrobusse für Luftbelastung der Innenstädte. „Selbst wenn wir zu 100 Prozent elektrisch fahren, wird man das an den Luftreinhaltung kaum merken“, sagte er. 60 Prozent der Busflotte erfüllten die Euro-V-, EEV- oder Euro-VI-Norm, und zwar im Realbetrieb. Der Vorwurf „stinkender Dieselbusse“ gehe an der Realität vorbei. Im sogenannten Wirkungsgutachten für die Luftreinhaltung in Stuttgart war der Anteil der Busse an der NOx-Belastung im niedrigen einstelligen Prozentbereich angesiedelt worden. Dobrindt hatte wiederholt gefordert, zuerst ständig in den Städten fahrende Fahrzeuge wie zum Beispiel Busse und Taxen auf umweltfreundliche Antriebe umzurüsten, bevor Fahrverbote für Pkw erlassen werden.
Mehr Geld für ÖPNV gefordert
Erneut mahnte Fenske eine Verdoppelung des GVFG-Bundesprogramms an, auch wenn jetzt die Summe bis 2025 im Grundgesetz auf 333 Mio. EUR/Jahr festgeschrieben ist. Dieser Betrag sei wegen Preissteigerungen nur noch halb soviel wert wie 1997, als er festgesetzt worden ist. „Das letzte Wort zum Bundes-GVFG darf noch nicht gesprochen worden sein.“
Die Länder forderte er auf, die Busförderung wieder aufzunehmen, wo dies noch nicht geschehen ist. Gerade für den ÖPNV auf dem Lande sei das die wirksamste Förderung. (roe)
Externer Link: Projektseite „Mobility inside“