Elektrifizierung der Bahn mit oder ohne Oberleitung?

  • TU-Studie zu alternativen Bahnantrieben mit falschen Zahlen?
  • Ferlemann: Niederlande kein Vorbild

Susanne Henckel, Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, will sich nicht damit abfinden, dass die vollständige Elektrifizierung des Eisenbahnnetzes mit Oberleitung „zu teuer“ ist (siehe auch hier). Die Netze der Schweiz oder der Niederlande seien zu 100 Prozent elektrifiziert. Teuer werde der Ausbau nur dadurch, dass jede Elektrifizierung nach heutiger Rechtslage als Eingriff in den Bestand qualifiziert wird, sagte sie am Dienstag auf einer Veranstaltung der Allianz pro Schiene. Es müssten dann jedesmal „Kröten weggetragen“, Lärmschutzwände gebaut und Bahnübergänge beseitigt werden. „Da müssen wir das Planungsrecht anpassen“, forderte sie.

TU-Studie zu alternativen Bahnantrieben mit falschen Zahlen?

Jörg Nikutta, Deutschlandchef des Zugherstellers Alstom, widersprach am Rande der Veranstaltung gegenüber dem Verkehrsbrief der Studie der TU Dresden, wonach der Brennstoffzellenantrieb unter allen alternativen Antriebslösungen die teuerste Variante ist (siehe hier). Die verwendeten Zahlen stammten nicht von Alstom. Falsch sei auch die Annahme, die Brennstoffzellen-Stacks müssten alle drei Jahre komplett erneuert werden. Richtig sei, dass die Membranen ersetzt werden müssten. Das koste aber nur einen Bruchteil. Bei den Betriebskosten sei der Brennstoffzellenzug schon jetzt kostengünstiger als ein Dieseltriebzug.

Größter Kostentreiber sei die Tankstelle. Die müsse derzeit mit „sechs komma X“ Mio. EUR veranschlagt werden. Nikutta rechnet damit, dass der Probebetrieb des Alstom-Brennstoffzellentriebzugs mit Fahrgästen Mitte dieses Jahres beginnen kann.

Ferlemann: Niederlande kein Vorbild

Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann warnte auf der derselben Veranstaltung davor, die Niederlande unkritisch als Vorbild anzusehen. Dass die Betuwe-Linie auf weiten Abschnitten eingehaust oder überdeckelt sei, sei zwar im Sinne der Anlieger, aber die Nutzbarkeit der Strecke für Gefahrguttransporte werde dadurch verkompliziert.

Erst recht problematisch sei, dass die Niederlande auf dem kürzesten Weg von Deutschland zum belgischen Hafen Antwerpen („Eiserner Rhein“) ein Naturschutzgebiet ausgewiesen hätten. Das habe zwar unter dem Gesichtspunkt der Konkurrenz der belgischen und niederländischen Nordseehäfen eine gewisse Logik, diene aber nicht der Stärkung des Schienenverkehrs. (roe)