Grüne bemängeln unzureichende Engpassermittlung im BVWP

Die Bundesregierung räumt indirekt ein, dass bei den Grundlagen für den Bundesverkehrswegeplan 2030 Nachfragespitzen tagsüber nicht berücksichtigt worden sind. Der Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel hatte sich in einer Kleinen Anfrage erkundigt, ob Berechnungen des Fachmagazins Eisenbahn-Ingenieur zutreffen, wonach wegen der wachsenden Zahl Fernpendlerzüge von Mannheim nach Stuttgart der Abschnitt Zuffenhausen-Stuttgart Hbf in den Morgenstunden mit 119 Prozent überlastet sein wird.

Das BMVI verweist in seiner Antwort darauf, dass die Auslastung in seiner Bewertung nicht stundenscharf ermittelt worden ist, sondern in „Zeitscheiben“ – von 6 bis 22 tagsüber und von 22 bis 6 Uhr nachts. Auf dieser Basis sei keine Überlastung erkennbar. Gastel wirft dem BMVI indirekt vor, mit seiner Methodik absehbare stundenweise Engpässe wegzurechnen. „Es ist offensichtlich so, dass die Bundesregierung mit Rechentricks Engpässe im Berufsverkehr in leistungsfähige Bahnstrecken umdeutet“, sagte er gegenüber dem Verkehrsbrief. „Wenn die Große Koalition innerhalb von zwölf Jahren die Fahrgastzahlen im Bahnverkehr verdoppeln will, müsste sie massiv in den Pendlerverkehr investieren. Gerade bei Union und SPD, die ja immer darauf pochen als Volksparteien wahrgenommen werden wollen, hätte ich erwartet, dass sie die Pendler in den Fokus nehmen und nicht mit dem Taschenrechner fiktive Discogänger erfinden, die nachts durch die Gegend gondeln.“ Das Land Baden-Württemberg hatte wegen der zu erwartenden Engpässe für den BVWP 2030 den Bau von zwei zusätzlichen Gleisen im Abschnitt Zuffenhausen-Stuttgart Hbf angeregt, war damit aber nicht durchgedrungen.

Die Problematik der nicht stundenscharfen Nachfrageermittlung setzt nach Auffassung von Gastel aber schon früher ein, und zwar bei der Verkehrsprognose 2030, die nur Zahlen für das gesamte Jahr ausweist. Das BMVI verteidigt sein Vorgehen: „Für eine zeitliche Verteilung der Nachfrage standen keine empirischen Grundlagendaten zur Verfügung. Auch die Bundesverkehrswegeplanung, Teil Schiene, arbeitet ausschließlich mit Verkehrsverflechtungsmatrizen, die auf Jahreswerten basieren.“

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