- Soll der Staat E-Fuel Produktion anschieben?
- E-Fuels für Pkw zu schade?
- Unausgesprochene Motive des VDA?
Die Chancen eines breiten Einsatzes von strombasierten synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels), wie ihn die deutsche Autoindustrie erhofft, werden selbst in Wirtschaftskreisen skeptisch gesehen. „Wir sehen keine Kosten um einen Euro je Liter“, sagte Stefan Schönberger von Boston Consulting und Mitautor der vom BDI beauftragten Studie „Klimapfade für Deutschland“, auf einer Veranstaltung des Industrieverbandes in der vergangenen Woche in Berlin (siehe hier). Er widersprach damit der Deutschen Energieagentur (Dena), die das in einer Studie für den VDA in Aussicht gestellt hatte (siehe hier).
Soll der Staat E-Fuel Produktion anschieben?
Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), sagte, in klimatisch begünstigten Regionen seien Herstellungspreise von 1 bis 1,50 EUR/l denkbar. Eine jetzt in Norwegen entstehende Pilotanlagen werde den Liter für 2 EUR produzieren. „Auch am langen Ende werden die Kraftstoffe teurer sein als fossile Kraftstoffe.“
Gegenüber dem Verkehrsbrief sprach sich dennoch dafür, dass der Bund den Bau erster Großanlagen (100.000t/Jahr) fördert. Für den Luft- und Seeverkehr sei langfristig keine Alternative in Sicht. Es sei aber zu erwarten, dass noch erhebliches Lehrgeld zu zahlen sei. Deswegen traue sich derzeit kein potenzieller Investor, der erste zu sein, der eine Anlage baut. Eine Beimischungspflicht könne dieses Kalkül nicht aufbrechen. Die Kosten der ersten Anlage schätzte er auf 800 Mio. EUR, als Förderbedarf stellte er 200 Mio. EUR in den Raum.
Grundsätzlich billigt Küchen E-Fuels durchaus Marktchancen im Pkw-Bereich zu. Zum einen sei gut denkbar, dass mancher Verbraucher bereit sei, für ein Plus an Flexibilität einen Aufschlag zu zahlen. Zum anderen könne es für Wenigfahrer günstiger sei, einen in der Herstellung preiswerten Verbrenner zu kaufen und dafür mehr für die Benutzung zu zahlen.
E-Fuels für Pkw zu schade?
Grundsätzlich gegen den Einsatz von E-Fuels im Straßenverkehr sprach sich Christian Hochfeld von der Agora Verkehrswende aus. „Mir erscheint es kontraproduktiv, solche Kraftstoffe im Verbrennungsmotor einzusetzen, der bekanntlich die am wenigsten effiziente Art der Verwertung ist“, sagte er. „Da klingeln bei mir die Alarmglocken.“
Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth warnte vor überzogenen Erwartungen an E-Fuels. „Alle Modelle, die auf Überschussstrom in Deutschland kalkulieren, sind falsch“, sagte er ohne nähere Begründung. Substanzielle Importe von E-Fuels erwartet er nicht vor 2030. Auch er sieht als bevorzugtes Einsatzgebiet den Luftverkehr an.
Unausgesprochene Motive des VDA?
Am Rande der Veranstaltung war hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass der Autoindustrieverband VDA deshalb so auf E-Fuels dringt, weil er sonst die CO-Flottengrenzwerte von 95g/km 2021 mit den profitablen großen und schweren Pkw kaum erreichen kann. E-Fuels würden den CO2-Ausstoß rechnerisch mindern, ohne den Verbrauch in Litern je Kilometer senken zu müssen. (roe)