Euro-5-Nachrüstung könnte am Neckartor deutlich entlasten

  • Wirkungsberechnung für das Neckartor
  • Einbau komplexer als von Nachrüstern behauptet
  • Geringer Mehrverbrauch

Die Nachrüstung von Pkw und Lieferwagen der Schadstoffklasse Euro 5 mit SCR-Katalysatoren kann deren Stickoxid-Ausstoß im Realbetrieb wirksam verringern – aber alleine nicht genug, um die Grenzwerte für die Luftbelastung in allen Städten ab sofort einzuhalten. Zu diesem Ergebnis kommt der ADAC in einem von Baden-Württemberg geförderten Praxistest mit Nachrüstsätzen verschiedener Hersteller. Umgebaut wurden vier Fahrzeuge: Stellvertretend für Pkw eine Mercedes B-Klasse und ein Opel Astra, für die Lieferwagen ein Fiat Ducato und ein VW-Bus.

Selbst unter ungünstigen Umständen – Stadtverkehr nach Start mit kaltem Motor gemäß neuer WLTP-Messnorm – ging der NOx-Ausstoß um 44 bis 61 Prozent zurück. Mit warmem Motor wurde im Stadtverkehr eine Reduzierung um 50 bis 78 Prozent erreicht. Allerdings erreichte keines der nachgerüsteten Fahrzeuge auch nur annähernd die gesetzlichen Grenzwerte.

Berechnung für das Neckartor

Nach eigenen Schätzungen des ADAC lässt sich durch eine Hardware-Nachrüstung von Euro-5-Fahrzeugen die Stickoxid-Belastung am Stuttgarter Neckartor um 5 bis 25 Prozent reduzieren. Der niedrigste Wert ergibt sich, wenn die durchschnittliche Reduzierung der NOx-Emissionen am Fahrzeug mit 30 Prozent angesetzt wird und auch nur die Hälfte der Fahrleistung mit nachgerüsteten Fahrzeugen erbracht wird. Der Maximalwert ergibt sich bei 70 Prozent Reduzierung am Auspuff und Umrüstung der Gesamtflotte. Ähnlich stellen sich die Werte bei Umlegung auf ganz Deutschland dar.

Der ADAC vermeidet aber jede Aussage, ob mit einer Hardware-Nachrüstung die Grenzwerte für die Luftbelastung eingehalten werden können. Angesichts einer NOx-Luftbelastung am Neckartor mit durchschnittlich 73 Mikrogramm/m3 im Jahr 2017 (Angabe des Umweltbundesamtes/UBA) würden bei 25 Prozent Minderung 55 Mikrogramm/m3 erreicht. Der Grenzwert liegt aber bei 40 Mikrogramm/m3.

Nach Berechnungen des Verkehrsbriefes auf Basis der UBA-Werte für 2017 würden bei 25 Prozent Minderungsrate noch folgende weitere sieben Städte den NOx-Grenzwert reißen:

  • München (59 Mikrogramm/m3)
  • Köln (47 Mikrogramm/m3)
  • Reutlingen (45 Mikrogramm/m3)
  • Hamburg (44 Mikrogramm/m3)
  • Düsseldorf (42 Mikrogramm/m3)
  • Kiel (42 Mikrogramm/m3)
  • Heilbronn (41 Mikrogramm/m3)
Einbau komplexer als von Nachrüstern behauptet

Der ADAC warnt in seinem Bericht davor, die Komplexität der Nachrüstung zu unterschätzen. Es handele sich „bei SCR-Nachrüstsystemen keinesfalls um ein einfaches Zusatzsystem, das man beliebig und schnell in jedem Fahrzeug montieren kann“. Realistischerweise müsse man im Durchschnitt je Fahrzeug für den Einbau des SCR-Systems je nach Fahrzeugtyp eher mit mindestens einem Arbeitstag (acht Werkstattstunden) rechnen. Die Arbeitszeitkosten (in Baden-Württemberg durchschnittlich 95 EUR/Stunde inkl. MwSt.) kommen zum Preis für den Nachrüstsatz hinzu, der mit 1200 bis 1800 EUR (inkl. MwSt.) zu Buche schlägt. Auf jeden Fall sei die Mitarbeit der Hersteller dringend erforderlich. „Ohne den Zugang über die jeweiligen Hersteller zu bereits vorhanden fahrzeugspezifischen Originalteilen und den entsprechend niedrigeren Einkaufspreisen fallen die Systemkosten höher aus.“ Die Zuarbeit der Hersteller sei auch erforderlich, um das System optimal einstellen zu können.

Geringer Mehrverbrauch

Der Kraftstoff-Mehrverbrauch lag je nach Fahrzeug und Nachrüstkonzept zwischen 0,9 und 6,1 Prozent. Grund ist, dass vor dem Katalysator wässriger Harnstoff („Adblue“) verdampft werden muss und dafür zusätzliche Energie benötigt wird. Der Adblue-Verbrauch lag zwischen 1,5 und 2,8l auf 1000km. (roe)

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