Abgase von vorbeifahrenden Fahrzeugen lassen sich schon heute mit ausreichender Genauigkeit messen, um ausgebaute oder schadhafte Partikelfilter und abgeschaltete SCR-Katalystoren aufzudecken. Das sollten NOx-geplagte deutsche Kommunen nutzen, um die schlimmsten Verschmutzer zu identifizieren, sagte Herbert Woopen, Vertreter der amerikanischen Prüforganisation Opus Inspection, auf einer Fachveranstaltung dess Telematik-Verbandes Telematics Pro in Berlin. Das Unternehmen messe seit über 20 Jahren in den USA die Realemissionen von Pkw und Nutzfahrzeugen im Vorbeifahren, in einigen Bundesstaaten auch als vollwertige Abgasuntersuchung.
Das tragbare System besteht aus zwei Boxen, die beiderseits der Fahrbahn aufgebaut werden. Mit einer Kombination aus UV- und IR-Lichtstrahl quer über die Fahrbahn werden Kohlenwasserstoffe (HC), Kohlenmonoxide (CO), NOx sowie grobe und feine Partikel gemessen. Gleichzeitig werden Geschwindigkeit und Lastzustand (Beschleunigung/Bremsen) festgestellt. Die Messung sei zwar nicht ganz so genau wie mit portablen Messgeräten am Fahrzeug (PEMS), reiche aber für praktische Zwecke aus. Durch ausgiebige Versuche seien Korrekturfaktoren für die „Abgaswolke“ im Vergleich zur Messung direkt am Auspuff ermittelt worden.
Woopen berichtete, dass Zürich schon seit 15 Jahren regelmäßig messen lasse. Das International Council on Clean Transportation (ICCT) misst seit einiger Zeit mit Rückendeckung der britischen Regierung in London. Mit dem Land Berlin liefen Gespräche über ein ähnliches Konstrukt. Verwundert zeigte er sich, dass das BMVI und die ihm unterstehende Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) bisher nur geringes Interesse am Messen im Vorbeifahren zeigten. Bei der EU wird nach seinen Angaben derzeit im Zuge des Trilogs über die Novelle des Typzulassungsverordnung darüber verhandelt, ob Messungen in Vorbeifahrt in das Plichtinstrumentarium zur Überwachung aufgenommen werden sollen.
Opus verkauft die Geräte nicht, sondern misst selbst, weil eine Menge Erfahrung nötig sei. Eine verwertbare Messung eines Fahrzeugs kostet laut Woopen rund 1 EUR. Gegenüber dem Verkehrsbrief sagte er, Opus sei zwar mit 70 bis 80 Prozent Marktanteil führend, es gebe aber auch Konkurrenten, ebenfalls aus den USA. (roe)