- EU-Quote weiter gestiegen
- BMVI unzufrieden mit Effekten der Förderung
Das Schrumpfen der deutschen Handelsflotte setzt sich ungebremst fort. Ende September waren nur noch 176 Schiffe unter deutscher Flagge im internationalen Schiffsregister gemeldet, wie aus der Monatsstatistik des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hervorgeht. Ein Jahr zuvor waren es noch 189 (-6 Prozent). Einschließlich der nicht im ISR gemeldeten Schiffe unter deutscher Flagge und der ausgeflaggten Schiffe schrumpfte die deutsche Handelsflotte sogar um gut 10 Prozent auf 2446 Einheiten. Der Rückgang der Zahl der Schiffe und ihrer Tonnage verlief annähernd synchron.
EU-Quote weiter gestiegen
Erneut gestiegen ist nach Verkehrsbrief-Berechnungen allerdings der Anteil der Tonnage unter EU-Flaggen, und zwar binnen Jahresfrist um 3,5 Prozentpunkte auf jetzt 44,9 Prozent. Der Löwenanteil des Zuwachses entfiel wieder einmal auf das portugiesische Madeira-Register, das von Hamburger Kaufleuten geführt wird (plus 16 Prozent). Aber auch Zypern konnte nach langer Stagnation wieder einen markanten Zuwachs verzeichnen (plus 7,5 Prozent). Luxemburg, noch vor wenigen Jahren Senkrechtstarter unter den EU-Register, verlor hingegen binnen Jahresfrist gut 40 Prozent seiner Tonnage.

Der Anteil der EU-Tonnage ist unter EU-Beihilfegesichtspunkten entscheidend für die Frage, ob Deutschland weiterhin flächendeckend Tonnagesteuervorteile gewähren darf.
BMVI unzufrieden mit Effekten der Förderung
Aus dem BMVI ist unterdessen Unmut über die deutsche Reederschaft zu vernehmen. Die im Herbst 2015 zugesagten Erleichterungen – vom der Schiffsbesetzungsverordnung bis zum 100-prozentigen Lohnsteuereinbehalt – seien von der Regierung im 1. Halbjahr 2016 alle umgesetzt worden. Die erhoffte Trendwende in der Flaggenführung sei aber ausgeblieben. Im übrigen gebe es inzwischen erhebliche Zweifel, ob Schiffe unter deutscher Flagge erforderlich sind, um die Ausbildung für maritime Berufe zu gewährleisten. Es sei zu überlegen, ob eine Ausbildung nicht auch an Bord ausländischer Schiffe möglich ist, und welche Förderinstrumente dafür notwendig sind. (roe)