- Güterverkehr noch nicht in Sicht
Die Schnellfahrstrecke Erfurt-Ebensfeld als letztes großes Element der Neubaustrecke Berlin-Nürnberg wird zum Fahrplanwechsel im Dezember termin- und kostengerecht in Betrieb gehen. „Die Deutsche Bahn kann Großprojekte“, sagte Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla am Freitag vor Journalisten. Das 1992 in die Liste der „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ (VDE) aufgenommene Vorhaben wird dann rund insgesamt rund 10 Mrd. EUR gekostet haben, rund die Hälfte des Gesamtvolumens der VDE-Schienenprojekte, davon entfällt rund die Hälfte auf den topographisch anspruchsvollen Abschnitt Erfurt-Ebensfeld. Wegen der hohen Kosten hatte die rot-grüne Bundesregierung von 1999 bis 2002 den Bau zwischen Halle/Leipzig und Ebensfeld gestoppt.
Die Fahrzeit zwischen Berlin und München verringert sich damit von derzeit über sechs auf dann knapp vier Stunden. „Das ist auch eine Ansage an das Flugzeug“, betonte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Die Lufthansa sieht aber nur eine geringe Bedrohung, weil die Mehrheit der Fluggäste Umsteiger von und zu ihrem Hub München ist. Die DB hofft laut Pofalla, ihren Marktanteil und die Fahrgastzahl auf dieser Relation zu verdoppeln: Von derzeit 20 Prozent und 1,8 Mio./Jahr auf 40 Prozent und 3,6 Mio. Zum künftigen Fahrpreis wollte er mit Verweis auf die übliche Tarifrunde im Herbst keine Aussagen treffen.
Pofalla zeigte sich zuversichtlich, dass diesmal – anders als 2015 beim Abschnitt Halle-Erfurt – alle notwendigen Zulassungen des Eisenbahn-Bundesamtes mit genügend Vorlauf vorliegen. „Die jetzt laufenden Vorprozesse geben uns die Gewissheit, dass diese Genehmigungen rechtzeitig da sind.“ 2015 hatte das EBA die Genehmigung für eine neue Fahrbahnbauart erst zwei Tage vor Betriebsaufnahme erteilt.
Güterverkehr noch nicht in Sicht
Für den theoretisch möglichen und auch zulässigen Güterverkehr auf der Strecke liegen laut Pofalla noch keine Anmeldungen vor, was aber auch nicht verwunderlich sei – die Strecke müsse sich erst im Bewusstsein der Güterbahnen und Speditionen etablieren.
Noch offen ist der Ausbau der Strecke zwischen Ebensfeld und Nürnberg. Dadurch ließe sich die Fahrzeit um weitere 10 bis 15 Minuten verringern. Pofalla stellte einen Streckenausbau im Bereich Forchheim bis 2025 in Aussicht. Der Knoten Bamberg wird voraussichtlich erst 2030 ertüchtigt sein. (roe)