Mit Stand November 2016 waren für gut 160.000 Wagen Umrüst-Vorbescheide beantragt oder erteilt. Zusammen mit den neu beschafften und bereits ab Werk leisen Wagen könnten damit bis 2020 alle rund 180.000 auf dem deutschen Netz verkehrenden Güterwagen über Flüsterbremsen verfügen.
Die neuen Zahlen stellte Jens Klocksin vom BMVI am Donnerstag auf der Netzwerkkonferenz Güterverkehr und Logistik in Berlin vor. Klocksin betonte, dass die Zahl „leiser“ Wagen im deutschen Fahrzeugregister alleine nicht aussagekräftig sei, um zu beurteilen, wie die Umstellung voranschreitet. Danach wären nur 26,8 Prozent der Wagen leise. Ein besserer Indikator sei, dass inzwischen 24 Prozent der Güterzüge gemäß lärmabhängigen Trassenpreissystem als „leise“ abgerechnet werden, also zu mehr als 90 Prozent aus leisen Wagen bestehen. 2012 waren es nur 8 Prozent.
Zusätzliche Erkenntnisse erwartet Klocksin vom geplanten Monitoring-System des BMVI mit bundesweit 17 Messstellen, die nach einheitlicher Methode messen und einen Großteil des Güterverkehrs erfassen werden.
Reicht Lärmminderungsgesetz aus?
Eine hitzige Debatte gab es darüber, ob das geplante Schienenlärmschutzgesetz (siehe hier) sinnvoll wirkt. Peter Westenberger vom Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) befürchtet, dass ausländische Halter mit zwangsverlangsamten Zügen aus lauten Wagen Trassenkapazität vernichten und damit dem Güterverkehr insgesamt schaden. Klocksin und Jürgen Tuscher vom Privatwagenverband VPI hielten dagegen, dass die Priorisierungsregeln des Netzes vorsehen, langsame Züge gegebenenfalls auf teure Umwege zu verweisen oder so lange in die Warteschlange zu stellen, bis andere Züge nicht behindert werden. Das mache den Betrieb laut Wagen wirtschaftlich unattraktiv. „Ich würde mir daher überhaupt keine Sorgen machen“, sagte Tuscher, und sprach gegenüber dem Verkehrsbrief von einem europarechtlich erforderlichen Feigenblatt.
Wo ist die Systemführerschaft?
Zunehmende Sorge bereitet dem Sektor, dass es seit der Bahnreform keine institutionalisierte Systemführerschaft für Innovation mehr gibt. Klocksin beklagte, dass das BMVI jetzt quasi selbst – wenn auch gemeinsam mit DB und dem Güterwagenvermieter VTG – einen innovativen Wagen entwickeln müsse. Tuscher hielt ihm unter wohlwollendem Nicken der Branchenvertreter entgegen, dass das BMVI für die Straßen die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) mit rund 400 Mitarbeiter vorhalte, für die Schiene aber nichts derartiges. (roe)