„Richtige“ Zahl für Abbiegeunfälle im Dunkeln

  • Ziel „40 Prozent weniger Verkehrstote“ nähert sich kaum
  • Sorgenkind Pedelec

Auch nach der Vorlage der amtlichen Unfallstatistik für 2017 bleibt die Zahl der bei Lkw-Abiegeunfällen getöteten und verletzten Radfahrer umstritten. Wie Mirjam Bick vom Statistischen Bundesamt (Destatis) am Donnerstag in Berlin vor Journalisten berichtete, starben 2017 Abbiegeunfällen mit Lkw des Güterkraftverkehrs 37 Radfahrer, 961 wurden verletzt. Damit entfalle rund jeder dritte Unfall zwischen Lkw und Radfahrern auf diese Art von Unfällen. Auf Nachfrage sagte sie, dass die Destatis-Zahlen zu Abbiegeunfällen auch Unfälle beim Linksabbiegen umfassen. Unfälle mit Arbeitsmaschinen wie Betonmischern, Müllfahrzeugen oder Betonpumpen, die landläufig ebenfalls als „Lkw-Unfälle“ wahrgenommen werden, seien hingegen nicht erfasst.

Der Fahrradclub ADFC berichtet von 38 tödlichen Unfällen mit „Lkw“ im weiteren Sinne beim Rechtsabbiegen und beruft sich dabei auf eigene Auswertungen von Presse- und Polizeiberichten. Problem sei, dass die Zahl der Verletzten wegen der geringeren Öffentlichkeitswirksamkeit auf diesem Wege nicht feststellbar sei. Die Zahl der Schwer- und Schwerstverletzten sei aber ebenfalls wichtig, um die Relevanz einer Nachrüstung von Groß-Kfz mit Abbiegeassistenten beurteilen zu können.

Insgesamt scheinen sich Radfahrer aber gegenüber Lkw defensiver zu verhalten: Bei Unfällen mit Lkw mit Personenschaden trugen sie nur in 20 Prozent der Fälle die Hauptschuld, gegenüber Pkw schon 25 Prozent und gegenüber Fußgängern sogar zu 60 Prozent.

Ziel „40 Prozent weniger Verkehrstote“ nähert sich kaum

Gegenüber den vorläufigen Zahlen vom Februar (siehe hier) hat Destatis die Zahl der Verkehrstoten für 2017 von 3177 auf 3180 nach oben korrigiert. Gegenüber 2016 bedeutet das eine Abnahme um 26 oder 0,8 Prozent. Vom Ziel, die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 2011 zu reduzieren, ist damit aber nach 60 Prozent der Zeit nur die Hälfte erreicht (minus 20,7 Prozent). Destatis-Präsident Georg Thiel sprach angesichts der gewachsenen Kfz-Flotte dennoch von einem „richtigen Weg“, auf dem Deutschland sei.

Gegenüber 2016 ging die Zahl aller polizeilich erfassten Unfälle mit Personenschaden um 1,8 Prozent zurück, die Zahl der Leicht- und der Schwerverletzten ging um 1,7 bzw. 1,4 zurück. Rund 45 Prozent der Getöten waren Pkw-Insassen, weitere 20 Prozent waren mit einem Kraftrad unterwegs.

Sorgenkind Pedelec

Sorgen bereitet den Statistikern die Zahl der Pedelec-Unfälle. Die Zahl der getöteten Pedelec-Fahrer stieg von 2014 (Beginn der statistischen Erfassung) bis 2017 von 39 auf 68 (plus 74 Prozent). Der Anstieg der Getöteten blieb damit zwar hinter dem Flottenwachstum (plus 93 Prozent) zurück, aber im Vergleich zum unmotorisierten Fahrrad ist das Risiko eines tödlichen Unfalls unter allen Unfällen mit Personenschaden drei Mal höher. 2017 war bezogen auf die Zahl der Fahrzeuge das Risiko eines tödlichen Unfalls mit Pedelec gegenüber normalen Rädern sogar um den Faktor 4,7 höher. Den Grund sehen die Statistiker im höheren Alter der Pedelec-Fahrer: 64 Prozent der Getöteten gehörten der Altersgruppe ab 75 an, bei unmotorisierten Radfahrern waren es nur 34 Prozent. Unfälle enden bei Älteren häufiger tödlich.

Überproportional stieg aber auch die Zahl der verletzten Pedelec-Fahrer, und zwar um 131 Prozent. Einziger Lichtblick ist, dass Pedelec-Fahrer vor einem Unfall überwiegend regelkonformer verhalten als Normalrad-Fahrer. Ausnahme ist – wenig überraschend – unangemessene Geschwindigkeit.

Bernhard Feldhues stellte außerdem den neuen „Verkehrsunfallkalender“ vor, an dem tagesscharf und eingängiger Form die Unfälle mit Personenschaden allgemein sowie Fahrrrad-, Motorrad- und Alkoholunfälle seit 2007 ausgewiesen werden. Wie zu hören war, will sich die Stabsstelle Radverkehr im BMVI eine Sonderauswertung nach Tageslicht, Dämmerung und Dunkelheit erstellen lassen, um daraus eventuell Schlüsse für eine effektivere Verkehrssicherheitsarbeit ziehen zu können.

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