Paketdienstleister wollen Städten goldene Brücken bauen

  • Stationäre Lösung statt Wechselbrücken
  • Keine gemeinsame Zustellung

Mit Kooperationen will es die Paketbranche den Kommunen politisch erleichtern, innerstädtische Flächen für sogenannte Mikrodepots zur Verfügung zu stellen. Das sei der entscheidende Hintergrund für das am Mittwoch in Berlin gestartete Projekt „KoMoDo“ („Kooperative Nutzung von Mikro-Depots durch die Kurier-, Express-, Paket-Branche für den nachhaltigen Einsatz von Lasträdern in Berlin“), war aus Teilnehmerkreisen zu hören. Angesichts der Flächenknappheit in den Innenstädten sei es für die Kommunalpolitik gegenüber den Wählern kaum vertretbar, nur ausgewählten Dienstleistern einen Umschlagplatz zur Verfügung zu stellen – oder jedem einen eigenen - und damit Freiflächen oder gar Parkraum zu vernichten.

Stationäre Lösung statt Wechselbrücken

Bei KoMoDo teilen sich DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS einen gemeinsamen Umschlagplatz im Prenzlauer Berg, um von dort aus die Pakete in einem Umkreis von zwei bis drei Kilometern per Lastenfahrrad auszuliefern. Der Umschlagplatz, eine ehemalige Brach- und Parkplatzfläche, die vom Bezirk kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, wird von der landeseigenen Hafengesellschaft Behala betrieben. Jeden Unternehmen wird ein 20-Fuß-Seecontainer zur Verfügung gestellt, um die Sendungen von der morgendlichen Anlieferung mit großen Lkw bis zur Auslieferung per Fahrrad zwischenzulagern. Hinzu kommt ein Aufenthalts- und Werkstattcontainer für die Fahrradkuriere.

Die Variante, dass die Paketdienstleister jeden Morgen eine Wechselbrücke mit den Paketen anliefern und abstellen, wurde zum einen wegen des fehlenden Platzes zum Rangieren verworfen. Zum anderen wollte die Senatsverwaltung für Verkehr eine stationäre Lösung, damit das Projekt nicht zu provisorisch wirkt, war aus Teilnehmerkreisen zu hören.

Der vom Bundesumweltministerium mit 400.000 EUR geförderte und von der Senatsverwaltung ebenfalls unterstützte Pilotversuch ist zunächst auf ein Jahr angelegt. Erprobt werden soll unter anderem, ob die eingesetzten Lastenfahrräder nicht zu neuen Verkehrsbehinderungen führen. Für die Paketdienstleister selbst ist die Frage der Wirtschaftlichkeit noch offen.

Laut Regelwerk ein "Fahrrad", auch wenn es nicht so aussieht: Der Hermes-Sattelzug für die Paketzustellung auf der letzten Meile. (Foto: roe)
Keine gemeinsame Zustellung

Eine Bündelung der Pakete der verschiedenen Dienstleister auf einem gemeinsamen Fahrradzustelldienst wurde verworfen. Das hätte zum einen zuviel Komplexität verursacht, erläuterte Lars Purkarthofer von UPS; zum anderen sollten die Differenzen zwischen den Angeboten der Dienstleister nicht verwässert werden. (roe)