DFS sieht Nachbesserungsbedarf bei Drohnenverordnung

  • Weitere Ausrüstungspflicht für schwere Drohnen geplant
  • Keine Unterstützung von der Bundeswehr?

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sieht bei der Drohnenverordnung noch Nachbesserungsbedarf. Die Zonen mit Flugbeschränkungen oder Flugverboten seien viel zu umfangreich geraten, ließen DFS-Vertreter bei der Vorstellung ihrer „Drohnen-App“ am Mittwoch in Berlin durchblicken. Es bestehe die Gefahr, dass der Bürger die Regeln nicht akzeptiere. Es sei zum Beispiel nicht nachvollziehbar, warum 100m beiderseits von Bundeswasserstraßen das Fliegen untersagt sein muss.

DFS-Geschäftsführer Klaus-Dieter Scheurle sagte, die DFS wolle im Grundsatz die wirtschaftlich hochinteressante Drohnennutzung unterstützen. „Wir wollen den Weg bereiten, aber das geht nur, wenn wir Chaos vermeiden.“ 2015 gab es laut Scheurle 15 Meldungen über problematische Begegnungen mit dem Luftverkehr, 2016 waren 64. Für das laufende Jahr erwartet er auf Basis der Halbjahreszahlen 80 bis 100 Meldungen.

Ziel sei es daher, die Sichtbarkeit des Drohnenverkehrs für die Flugsicherung zu verbessern. Scheurle will vor allem die schwereren „gewerblichen“ Drohnen sichtbar machen, die - anders als die meisten Spielzeugdrohnen – dem Luftverkehr tatsächlich gefährlich werden können. „Was die Fluglotsen nicht sehen, auf das können sie auch nicht reagieren.“

Weitere Ausrüstungspflicht für schwere Drohnen geplant

Zusammen mit der Deutschen Telekom entwickelt die DFS daher ein LTE-Mobilfunkmodul, das den Fluglotsen ermöglichen soll, Drohnen auch ohne Radar auf ihren Kontrollschirmen zu sehen. Wegen der geringen Rückstrahlfläche funktioniert Radarortung nur auf sehr kurze Entfernung. Die Vorserienmodelle des Mobilfunkmoduls wiegen nach Scheurles Angaben rund 50g, das Gewicht soll aber bis zur Serienreife in einigen Monaten noch sinken.

Die verpflichtende Ausrüstung „schwerer“ Drohnen – Scheurle brachte eine Gewichtsschwelle von 2 bis 4kg ins Gespräch – mit den Mobilfunkmodulen sollte 2018 vom Gesetzgeber beschlossen werden und 2019 in Kraft treten. Mit dem Mobilfunkmodul werde es aber auch möglich, Drohnen außerhalb der Sichtweite des Steuerers zu fliegen. Das bringe einen wesentlichen Zusatznutzen zum Beispiel für die Logistikwirtschaft.

Keine Unterstützung von der Bundeswehr?

Die DFS-Drohnen-App (kostenlos für Android- und Apple-Smartphones erhältlich) soll vor allem Hobby-Drohnenfliegern helfen, schnell auf ihren Standort bezogen einen Überblick zu bekommen, ob sie dort aus luftrechtlicher Sicht fliegen dürfen. Dazu hat die DFS ihre eigenen Karten und Daten der Landesvermessungsämter zusammengeführt. Weil die Bundeswehr bisher nicht fähig oder willens war, Informationen zu militärischen Sperrgebieten zu liefern, wurden als provisorische Lösung die entsprechenden Daten von Openstreetmap eingepflegt. Ausgeklammert wurden wegen der hohen Datenkomplexität Wohn- und Industriegebiete, über denen das Fliegen ebenfalls untersagt ist.

2016 gab es rund 400.000 Drohnen in Deutschland, von kleinen Spielzeugdrohnen bis hin zu Industriedrohnen für professionelle Filmaufnahmen oder Transportzwecke. Im laufenden Jahr erwartet die DFS den Verkauf von weiteren 600.000 Drohnen, so dass selbst unter Berücksichtigung von Abgängen die Millionengrenze bald überschritten sein werde. (roe)

Externer Link: www.sicherer-drohnenflug.de