Bund soll bei der Bahn in kundenfreundliches Bauen investieren

  • Reicht die Kapazität der Bauindustrie?
  • „Zukunftsbündnis Bahn“

Die Bahnbranche wünscht zusätzliche Mittel des Bundes, damit die DB kundenfreundlicher bauen kann.

Die Beteiligten des „Runden Tisch Baustellenmanagement“ regten am Dienstag bei der Vorstellung der Ergebnisse an, zunächst in einer „Vorschaltvereinbarung“ zur LuFV II bis Ende 2020 in ausgewählten Projekten Maßnahmen zur Bauzeitenverkürzung und zur Minderung von Kapazitätsverlusten auszuprobieren. In der LuFV III soll dann das kundenfreundliche Bauen fest verankert werden. Ziel ist, die Kunden nicht durch Schienenersatzverkehre, Verspätungen oder Umwege auf Dauer zu verprellen. Immerhin sieht der Koalitionsvertrag vor, die Zahl der Fahrgäste bis 2030 zu verdoppeln. VDV-Geschäftsführer Martin Henke berichtete, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer beim Abschlussgespräch immerhin nicht „Nein“ zu den Forderungen nach mehr Geld gesagt hat.

Konkret geht es laut Schaffer zum Beispiel darum, bei Brücken-Ersatzneubauten Behelfsbrücken einzurichten, statt Strecken komplett zu sperren, erläuterte DB-Netz-Vorstandsmitglied Thomas Schaffer. Derzeit sei DB vom Bund gehalten, so viel wie möglich zu bauen und damit auch kostengünstig. Eine Behelfsbrücke verursache aber Mehrkosten von rund 4 bis 6 Mio. EUR. Als anderes Beispiel nannte er den Einbau zusätzlicher Bauweichen und Signale, um bei bei Arbeiten an zweigleisigen Strecken den in beiden Richtungen genutzten Abschnitt möglichst kurz zu halten. Laut Schaffer gibt es täglich rund 800 Baustellen im DB-Schienennetz.

Zweiter Baustein sind höhere Entschädigungen von DB Netz an die Eisenbahnverkehrsunternehmen, wenn Baustellen ungeplante Verspätungen verursachen. Sie betragen 5 EUR/Minute im Güterverkehr, 16 EUR im SPNV und sogar 51 EUR im Fernverkehr. Damit soll für DB Netz ein Anreiz geschaffen werden, Störungen zu vermeiden. Ausgezahlt wird bereits ab dreieinhalb Minuten Verspätung.

Dritter Baustein ist eine Umverteilung des wirtschaftlichen Risikos zwischen SPNV-Bestellern und SPNV-Unternehmen. Sie sollen künftig nicht allein auf den baustellenbedingten Kosten sitzenbleiben.

Vierter Baustein ist schließlich eine bessere Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

Reicht die Kapazität der Bauindustrie?

Sorgen bereiten Schaffer aber die Kapazitäten der Bauindustrie. Der Mehrschichtbetrieb von Baustellen stoße bei den Baufirmen an Grenzen. Darüber hinaus gebe es Rückmeldungen aus den Unternehmen, dass die Mitarbeiter nicht mehr uneingeschränkt bereit seien, dann zu bauen, wenn es DB Netz am besten passt – an den Wochenenden oder in den Ferien.

„Zukunftsbündnis Bahn“

Das BMVI hat am Dienstag außerdem das „Zukunftsbündnis Bahn“ auf den Weg gebracht. Daran sind sieben Bahnverbände und der ökologische Verkehrsclub VCD beteiligt. Geleitet wird es vom Bauftragten der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann.

Ziele sind unter anderem die Einführung des Deutschlandtakts, die Kapazitätserhöhung des Netzes, Elektrifizierung, Digitalisierung und Minderung des Schienenlärms. Bis zum Frühjahr 2019 sollen die konkreten gemeinsamen Umsetzungsschritte ausgearbeitet werden. Der Masterplan Schienengüterverkehr bleibe ein eigenständiges Element unter dem Dach des Zukunftsbündnisses, war aus Teilnehmerkreisen zu hören. (roe)

Externer Link: Broschüre zu den Ergebnissen des Runden Tisch Baustellenmanagement