Anteil maroder Bahnbrücken leicht gesunken

  • Regional Licht und Schatten
  • NRW ist auch für die Schiene Brücken-Sorgenland Nr. 1
  • LuFV III ist gefordert

Der Anteil der maroden Bahnbrücken in Deutschland ist gegenüber 2014 leicht gesunken. Es sind aber immer noch 3,9 Prozent in der schlechtesten Zustandskategorie zu („Ersatz notwendig“). 2014 waren es 4,5 Prozent. Das ergab eine erste Auswertung der inzwischen für alle 16 Bundesländer vorliegenden Antworten des BMVI auf Kleine Anfragen der Grünen. Sie hatten im Frühjahr die Anfragekampagne von 2014 in erweiterter Form wiederholt.

Bayern steht besser da, Brandenburg verschlechtert sich weiter

Regional betrachtet bestätigt sich jedoch das differenzierte Bild, das sich bereits nach Vorliegen der ersten Antworten abgezeichnet hatte: Vor allem Bayern konnte sich verbessern, aber auch die Hafen-Stadtstaaten, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Berlin stehen besser da als 2014. Verschlechterungen mussten vor allem Schleswig-Holstein und Brandenburg hinnehmen, das jetzt die Rote Laterne von Berlin übernommen hat. Zu berücksichtigen ist, dass alle Brücken erfasst sind, für die DB Baulastträger ist – also zum Beispiel auch Straßenbrücken über Bahnstrecken.

Daten: DB/BMVI; Grafik: roe

Das Durchschnittsalter der Bahnbrücken beträgt nach Verkehrsbrief-Berechnungen knapp 65 Jahre, wobei die Spanne von 49 Jahren für Hamburg bis zu 82 Jahren in Thüringen reicht. Knapp 44 Prozent der Brücken bundesweit sind über 80 Jahre alt. Ein Vergleich mit 2014 ist nicht möglich, da diese Zahlen damals nicht erfragt wurden.

NRW ist auch für die Schiene Brücken-Sorgenland Nr. 1

Eine Auswertung der „Brückenkarte“ von DB Netz durch den Verkehrsbrief ergab, dass es auch bei den Zustandsklassen 1 bis 3 teils dramatische Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. Danach hat Nordrhein-Westfalen den größten Anteil an „Problembrücken“ der Zustandsklassen 3 und 4, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern den geringsten.

Quelle: DB Netz; Grafik: roe

Die Brückenkarte beruht nach Angaben einer DB-Sprecherin auf einem etwas älteren Datenstand als der für die Kleinen Anfragen. Bei der Auswertung ergab sich auch teilweise eine beträchtliche „Dunkelziffer“ nicht klassifizierter Brücken. Ein Abgleich für vier Flächenländer ergab aber, dass die Grundaussagen identisch zu denen in den Antworten auf die Kleinen Anfragen sind.

 

LuFV III ist gefordert

Der Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel kritisierte gegenüber dem Verkehrsbrief, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt unternehme einfach zu wenig, damit die bröckelnden Bahnbrücken endlich der Geschichte angehören. „Wenn wir den Substanzverfall bei der Infrastruktur endlich aufhalten wollen, müssen wir deutlich mehr in den Erhalt der Schiene geben. Dabei wird es auch entscheidend sein, Planungskapazitäten aufzubauen und auf hohem Niveau zu stabilisieren. Denn der beste Haushaltstitel bringt nichts, wenn das Personal nicht vorhanden ist.“ Die nächste Bundesregierung müsse eine Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung mit klaren und für jeden nachvollziehbaren Zielvorgaben zu verhandeln. (roe)

Externer Link: DB-Netz-Brückenkarte