VDA bekennt sich weiter mit Macht zum Diesel

  • Firmenflotten halten Dieselnachfrage aufrecht
  • Finanzierungslücke im Mobilitätsfonds offen
  • Wissmann wirft Umwelthilfe unseriöse Messmethoden vor

Der Autoindustrieverband VDA ist über den relativ geringen Anstieg des durchschnittlichen CO2-Ausstoßes von neu zugelassenen Pkw trotz der „Entdieselung“ der letzten Monate nicht überrascht. Das entspreche genau den eigenen Berechnungen, sagte Verbandspräsident Matthias Wissmann am Mittwoch auf der Jahresabschluss-Pressekonferenz in Berlin.

Firmenflotten halten Dieselnachfrage aufrecht

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte am Montag berichtet, der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Pkw-Neuzulassungen im November sei um 1,1 Prozent auf 127,8g/km gegenüber über dem Vorjahreswert gestiegen. In diesem Zeitraum ist der Diesel-Anteil an den Neuzulassungen von knapp 45 auf 34 Prozent gesunken. Laut der am Mittwoch veröffentlichten VDA-Broschüre „Quo Vadis, Diesel?“ stießen die neu zugelassenen Diesel-Pkw 2016 119,6g/km CO2 aus, Benziner 132,7g/km (Angaben nach NEFZ-Norm). Wissmann sprach sich erwartungsgemäß gegen eine Abschaffung des Diesel-Steuerprivilegs aus.

Wissmann sagte weiter, aktuell werde die Nachfrage nach Diesel-Pkw von Firmenflotten-Betreibern getragen. Bei den Importeuren – die in wesentlich größerem Umfang direkt an Privatkunden verkaufen – finde hingegen eine „regelrechte Flucht aus dem Diesel“ statt. Der VDA erwartet, dass das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts am 22. Februar zum Fahrverbot in Düsseldorf Klarheit schafft und damit die Verunsicherung der Kunden ein Ende hat. Zwischen den Zeilen war herauszuhören, dass dies für jede Variante der möglichen Entscheidungen gilt.

Finanzierungslücke im Mobilitätsfonds offen

Offen blieb, ob die Autoindustrie die beim Diesel-Forum im August vereinbarten 250 Mio. EUR Beitrag zum Mobilitätsfonds zusammenbringt. Grundlage für die Aufschlüsselung auf die einzelnen Hersteller sollten die Marktanteile sein. Bisher haben nur VW-Konzern, Daimler und BMW belastbare Zusagen gemacht. Sie bringen dem Vernehmen nach rund 160 Mio. EUR zusammen. Opel und Ford haben sich dem Vernehmen noch nicht festgelegt. Die Kfz-Importeure im VDIK lehnen eine Beteiligung kategorisch ab (siehe hier). Auch auf Nachfrage war nicht in Erfahrung zu bringen, was die Konsequenzen sein können, wenn nicht alle Autohersteller ihren Beitrag besteuern.

Wissmann ließ sein Befremden über die ausländischen Hersteller allerdings deutlich durchblicken. In den einschlägigen Listen der Nachmessungen seien unter den fünf saubersten Autos fast nur deutsche Hersteller zu finden, unter den fünf schlechtesten keine.

Wissmann wirft Umwelthilfe unseriöse Messmethoden vor

Heftige Kritik übte Wissmann an den am Dienstag veröffentlichten Abgasmessungen der Deutschen Umwelthilfe. Er stellte sich hinter einen Pressekommentar (Saarbrücker Zeitung), in dem von einem „windigen Abmahnverein“ die Rede ist. Das Auto sei unter „Extrembedingungen“ getestet worden.

Hinter vorgehaltener Hand war im VDA zu hören, dass die von der DUH kritisierte Abregelung der Abgasrückführung ab 2000 Umdrehungen/min auf der bekannten Prüfstrecke der DUH auch bei sportlicher Fahrweise eigentlich nicht zu erreichen sei. Die Achtgangautomatik sorge dafür, dass der Motor auch bei „artgerechter Fahrweise“ fast immer zwischen 1500 und 2000 U/min läuft. Höhere Drehzahlen ließen sich eigentlich nur durch Wechsel in den manuellen Modus erzwingen. Daher hinke auch der Hinweis der DUH, dass bei 112km/h im fünften Gang 3500 U/min anliegen. Bei dieser Geschwindigkeit laufe der Wagen schon im siebten oder achten Gang.

Unverständnis wurde aber auch gegenüber der Kommunikation von BMW geäußert, die diese Sachverhalte nicht klar und deutlich zum Ausdruck gebracht habe. (roe)

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