Diesel-Nachrüstung bekommt Konturen

  • 25 Prozent NOx-Reduzierung angestrebt
  • Kostenfrage nur teilweise geklärt
  • Diesel-Anteil sinkt um mehr als fünf Prozentpunkte
  • Länder wenden sich vom Diesel ab

Das „Nationale Forum Diesel“ wird sich nur mit der Software-Nachrüstung von Euro-5-Diesel-Pkw befassen, nicht mit Euro-6-Fahrzeugen. Das kündigte Matthias Wissmann, Präsident des Autoindustrie-Verbandes VDA, am Dienstag vor Journalisten in Berlin an. „Wir konzentrieren uns am 2. August auf Euro-5-Pkw, weil das der größte Hebel ist“, sagte er. „Was einzelne Hersteller darüber hinaus machen, ist etwas anderes.“ Euro-5-Diesel-Pkw stellten zu Jahresbeginn mit rund 5,9 Mio. Fahrzeugen den größten Anteil an der Diesel-Bestandsflotte von 15 Mio.; Euro 6 war nur mit 2,7 Mio. Fahrzeugen vertreten.

25 Prozent NOx-Reduzierung angestrebt

Grundlage des Diesel-Forums werde das sogenannte Hausberger-Konzept sein, benannt nach dem Motorenforscher Prof. Stefan Hausberger. Es sieht im Grundsatz vor, rund die Hälfte der Euro-5-Bestandsflotte so durch Software-Updates zu ertüchtigen, dass über alle Euro-5-Pkw eine NOx-Verringerung um 25 Prozent erreicht wird. „Wir sprechen von 'Euro 5,5'“, sagte Wissmann. Das würde ausreichen, um an den meisten städtischen Luftmessstationen die NOx-Belastung unter die Grenzwerte zu drücken, deutete er an. Nur an bundesweit 14 Messstationen liegen die Werte um mehr als 50 Prozent über der zulässigen Belastung.

Vom Bund forderte er, bundesweit einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Für einen Flickenteppich von regionalen Nachrüstungslösungen werde sich die Industrie nicht hergeben, gab er zu verstehen.

Kostenfrage nur teilweise geklärt

Ob sich auf diese Weise Fahrverbote noch abbiegen lassen, wollte Wissmann nicht prognostizieren. Alle Beteiligten sagten aber dem VDA, dass sie guten Willen haben, Fahrverbote zu verhindern. Er hoffe, dass auch das Bundesverwaltungsgericht – wo derzeit das Düsseldorfer Urteil zur Revision vorliegt – den Willen zur Verbesserung zur Kenntnis nehme.

Offen ließ Wissmann, wer für die Kosten der Nachrüstung aufkommt. Er wolle den Ergebnissen des Diesel-Forums nicht vorgreifen. Fest stehe nur, dass die Hersteller die Kosten für die Software-Entwicklung selbst tragen werden. Baden-Württemberg – das das Forum zusammen mit Bayern angestoßen hat - fordert in einem neuen Entschließungsantrag im Bundesrat allerdings ausdrücklich „eine Verständigung über das Tragen der Kosten“.

Diesel-Anteil sinkt um mehr als fünf Prozentpunkte

Laut den am Dienstag veröffentlichten Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes für Neuzulassungen ist der Anteil von Diesel-Pkw im ersten Halbjahr 2017 auf 41,3 Prozent gesunken. 55,8 Prozent entfielen auf Benziner, 2,9 Prozent auf alle anderen Antriebsarten. Im ersten Halbjahr 2016 betrug der Diesel-Anteil noch 46,9 Prozent.

Länder wenden sich vom Diesel ab

Unterdessen bröckelt auf Länderebene der politische Rückhalt für den Diesel-Antrieb. Verkehrs- und Umweltausschuss des Bundesrates haben in ihrer gemeinsamen Beschlussempfehlung zu dem ebenfalls von Baden-Württemberg Ende Mai eingebrachten Entschließungsantrag zur NOx-Belastung (siehe hier) einen Passus gestrichen, in dem der Diesel als „wirtschaftlicher Stützpfeiler für unser Land“ und sein Beitrag zur CO-Einsparung gewürdigt wird. (roe)

Externe Links:

Entschließungsantrag Baden-Württemberg zum Nationalen Forum Diesel

Ausschussempfehlung zum Entschließungsantrag zur NOx-Belastung