50 Prozent leise Güterwagen wohl erst im dritten Quartal 2017

Das Ziel von 50 Prozent leiser Güterwagen zum Jahresende 2016 ist verfehlt worden. Das geht aus dem Evaluationsbericht zum Stand der Umrüstung auf Flüsterbremsen hervor, den das BMVI am Mittwoch im Bundestags-Verkehrsaussschuss vorgestellt hat. Danach waren zum Jahresende nur 44,25 Prozent aller in Deutschland verkehrenden Güterwagen leise. Laut BMVI ist zu erwarten, dass das Ziel von 50 Prozent erst im dritten Quartal dieses Jahres erreicht wird.

Allerdings bestehen erhebliche Unsicherheiten, was die im Ausland registrierten Wagen nichtdeutscher Halter betrifft. Weder über das europäische virtuelle Fahrzeugregister noch über andere Quellen lässt sich verlässlich ermitteln, wieviel leise Wagen es überhaupt in dieser Haltergruppe. Das Ministerium hat daher auf Basis der Wagenbestände in den unmittelbaren Nachbarländern plus Italien und ihrer Verkehrsbeziehungen mit Deutschland eine konservative Hochrechnung vorgenommen und kommt so auf gut 24.000 leise Wagen, die regelmäßig in Deutschland unterwegs sind. In deutschen Registern waren Ende 2016 57.000 leise Wagen erfasst (DB und Private). In der Summe entspricht das bei einem geschätzten Gesamtbestand von 183.000 in Deutschland verkehrenden Wagen einem Anteil von rund 44,25 Prozent.

„Die Bundesregierung hat ihr Ziel von 50 Prozent leiser Güterwagen bis zum Jahr 2016 verfehlt", bemängelte der Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel gegenüber dem Verkehrsbrief. "Um die Halbierung des Schienenlärms bis zum Jahr 2020 noch zu erreichen, bedarf es einer deutlich stärkeren Spreizung der Trassenpreise." In Oppositionskreisen ist auch Kritik daran zu hören, dass das BMVI den Bericht erst jetzt präsentiert, obwohl die letzten dafür benötigten harten Zahlen schon seit 1. Mai vorliegen. Sorge bereitet außerdem die Frage, ob die Umrüstung der restlichen Wagen bis Ende 2020 angesichts begrenzter Produktions- und Werkstattkapazitäten noch gelingen kann. (roe)