Grüne legen Papier zur Zukunft des Automobils vor

  • Produktion muss ebenfalls nachhaltig sein
  • Autoindustrie soll vom Hersteller zum Mobilitätsdienstleister werden
  • WLTP muss 2017 in Kraft treten
  • Autonomes Fahren noch kein großes Thema

Die Grünen-Bundestagsfraktion plädiert für einen Kaufzuschuss für E-Autos von 5000 EUR und 2000 EUR für verbrauchsarme Plug-in-Hybride, der haushaltsneutral aus einer Umgestaltung der Kfz-Steuer finanziert werden soll. Diese Forderung enthält das Positionspapier „Grüne Automobilpoliik 2015“, das die Fraktion in der vergangenen Woche aus Anlass des Beginns der IAA verabschiedet hat.

Produktion muss ebenfalls nachhaltig sein

Betont wird, dass beim Umstieg auf Elektromobilität auch ein neuer Umgang mit Rohstoffen bei der Produktion notwendig sei. Heute würden 20 Prozent des Ressourcenverbrauchs eines Autos auf seine Herstellung entfallen. Die Gewinnung von Lithium, Kupfer, Platin, Neodym und anderen Seltenen Erden für die Batterieproduktion sei häufig mit starken Umweltbelastungen in Regionen verbunden, in denen nur geringe Umweltauflagen und Arbeitsschutzstandards gelten. „Europa sollte führend sein bei Materialeffizienz und Recycling, rohstoffeffizienter Produktgestaltung und Nachhaltigkeitsstandards.“

Autoindustrie soll vom Hersteller zum Mobilitätsdienstleister werden

Die Grünen mahnen die deutsche Autoindustrie, ihren Vorsprung nicht zu verspielen, und sich vom Fahrzeughersteller zum Mobilitätsdienstleister entwickeln. Der Bundesregierung werfen sie vor, mit Steuer- und Ordnungsrecht „ein Autoland von gestern“ zu konservieren und damit den Automobilstandort Deutschland und die Arbeitsplätze von morgen zu gefährden.

WLTP muss 2017 in Kraft treten

Heftig wird kritisiert, dass sich die Schere zwischen offiziellen Verbrauchsangaben und tatsächlichem Verbrauch in den vergangenen Jahren massiv geöffnet hat. Der neue Verbrauchszyklus WLTP sei im Jahr 2017 einzuführen und müsse ab 2020/21 für alle Pkw gelten.

Autonomes Fahren noch kein großes Thema

Vergleichsweise vage bleibt die Position zum autonomen Fahren: Autos würden künftig miteinander und mit der Infrastruktur vernetzt, heißt es. „Am Horizont dieser Entwicklung steht womöglich das selbstfahrende Auto.“ Unterstützt werden sollen die „grünen Potentiale dieser Trends“ wie bessere Verkehrslenkung mit weniger Staus und geringerem Energieverbrauch. „Außerdem sollen Vernetzung und Automatisierung zu einem Plus an Verkehrssicherheit führen.“ Hand in Hand mit der Vernetzung soll Carsharing ausgebaut werden.

Betont wird allerdings, das Politik und Wirtschaft die informationelle Selbstbestimmung der Autofahrer bei der Digitalisierung zu gewährleisten. „Autos dürfen nicht zur Datenschleuder verkommen.“ Es müsse geklärt werden, wer Rechte an Daten besitzt und wie sie geschützt werden können. (roe)

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