Zweifel an Attraktivität des „Autobahnpiloten“

  • Parkassistenten schaffen größten Nutzen

Der Verkehrsforscher Mark Vollrath von der TU Braunschweig bezweifelt, dass das hochautomatisierte Fahren mit einem „Autobahnpiloten“ bei den Kunden auf viel Gegenliebe stoßen wird. „Teilautomatisierung macht keinen Spaß, wenn man sie ernst nimmt“, sagte er am Dienstag auf einer Veranstaltung des Versicherungsverbandes GDV. Er verwies darauf, dass der Fahrer das Fahrzeug überwachen soll und ständig bereit sein muss, das Steuer binnen weniger Sekunden wieder selbst zu übernehmen. Nutzen aus Kundensicht bringe das automatisierte Fahren erst dann, wenn die Aufmerksamkeit des Fahrers nicht benötigt wird und damit der Komfort wächst.

Auch der ehemalige Verfassungsrichter und Vorsitzende der BMVI-Ethikkommission zum automatisierten Fahren, Prof. Udo di Fabio, zweifelt an der Sinnhaftigkeit dieses Zwischenschritts auf dem Weg zum autonomen Fahren: Anthropologisch betrachtet sei der Mensch nicht dafür geeignet. „Entweder er stellt sich Herausforderungen oder er langweilt sich“, sagte die Fabio, „wir sind lausig beim Überwachen.“

Zweifel wurden auch geäußert, ob das hochautomatisierte Fahren wirklich hilft, der „Vision Zero“ mit null Verkehrstoten näherzukommen. Im Durchschnitt vergehen 180 Jahre, bis einem Autofahrer ein Unfall mit Personenschaden (Verletzte oder Tote) passiert, sagte GDV-Präsident Wolfgang Weiler; auf Autobahnen bezogen liege der Wert sogar noch viel höher. Die Industrie müsse erst einmal beweisen, dass die Technik besser ist als der Mensch. Auch Weiler sieht in (Rück-) Übergabe der Fahraufgabe vom Auto an den Fahrer die größte Herausforderung. „Können wir wirklich erwarten, dass der Fahrer rechtzeitig wieder übernimmt?“

Parkassistenten schaffen größten Nutzen

Den mit Abstand größten Nutzen aus Versicherungssicht schaffen Pkw-Parkassistenten, weil sich damit teure Bagatellunfälle vermeiden lassen. Das erläuterten Jörg Rheinländer von der HUK Coburg und Frank Sommerfeld von der Allianz. Mit deutlichem Abstand folgen Notbremsassistenten. Alle anderen Assistenzsysteme könnten nach heutiger Einschätzung kaum zu weniger Schäden beitragen. Für die Pkw-Haftpflichtprämien sei nur eine Senkung zwischen 13 und 25 Prozent zu erwarten – die vielen Sensoren in (teil-) automatisierten Fahrzeugen machen Reparaturen nämlich auch teurer.

Derzeit rechnet die Autoindustrie damit, 2022 die ersten Fahrzeuge mit Autobahnpiloten auf den Markt zu bringen. Wie am Rande der Veranstaltung aus Teilnehmerkreisen der für die Typgenehmigungsvorschriften maßgeblichen UN-Wirtschaftskommission für Europa (UNECE) zu hören war, wird dort angepeilt, die technischen Vorschriften Anfang 2019 verabschieden zu können. (roe)