Wird die KEP-Branche ihres Wachstums noch Herr?

  • Neues Verkehrsschild für Ladezonen?
  • Wann kommt flächendeckend das elektrische KEP-Fahrzeug?

Die Kurier-, Express- und Paketbranche sieht für ihr bisheriges Dienstleistungsmodell Grenzen näher kommen. „Die Zustellung in den 4. Stock ohne Aufzug wird bei diesen Wachstumsraten in zehn Jahren nicht mehr der Normalfall sein“, sagte Klaus Esser, Autor der KEP-Studie 2018, bei ihrer Vorstellung am Dienstag in Berlin. Die Studie wird alljährlich im Auftrag des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik (BIEK) erstellt (siehe auch hier und hier).

Den Grund sehen Esser und der BIEK-Vorsitzende Florian Gerster im nach wie vor rasant steigenden Aufkommen. Im vergangenen Jahr waren es gut 3,3 Mrd. Sendungen in Deutschland, 6 Prozent mehr als 2016 und rund 11 Mio. pro Tag. Trotz der Delle in der Wirtschaftskrise ist das Volumen in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent gewachsen. Eindeutiger Treiber ist der Onlinehandel. Bis 2022 erwartet Esser ein weiteres Wachstum auf 4,3 Mrd. Sendungen. Mit der bisherigen Produktionsweise ist das kaum noch zu bewältigen, ließen Esser und Gerster durchblicken.

Neues Verkehrsschild für Ladezonen?

Ein Grund sei der Fahrermangel. Neben der Demographie spielten mangelnde Wertschätzung, vergleichsweise geringe Löhne in der wettbewerbsintensiven Branche und Stress eine Rolle. Gerster forderte die Kommunen deshalb auf, nicht nur mehr Ladezonen einzurichten, sondern sie auch konsequent durchzusetzen – notfalls auch mit Abschleppen von Falschparkern. Er regte ein zusätzliches Verkehrsschild analog zum Taxistand an. Esser wies darauf hin, dass bei einer Stichprobe in Köln und Leverkusen 2018 in den Ladezonen 80 Prozent „Fehlbelegungsquote“ festgestellt worden seien.

Gerster forderte die Kommunen außerdem auf, bei der Anlage neuer Wohnsiedlungen die Logistik gleich mitzudenken und zum Beispiel Aufstellflächen für Abholstationen einzuplanen. Neugierig ist die Branche, was die Versuche zur innerstädtischen Zustellung per Lastenrad auf der letzten Meile erbringen: Eine Vermutung ist, dass die Nachteile durch einen zusätzlichen Umschlag – wie zum Beispiel beim Berliner Komodo-Projekt (siehe hier) – durch wegfallenden Zeitaufwand für die Parkplatzsuche ausgeglichen werden.

Wann kommt flächendeckend das elektrische KEP-Fahrzeug?

„Die Branche ist in hohem Maß daran interessiert, mit batterieelektrischen Fahrzeugen die Luft in der Innenstadt zu entlasten“, betonte Gerster. Ohne Förderung der öffentlichen Hand gehe das aber nicht, „wir würden gerne über ein Milliardenprogramm sprechen.“ Auch über die Ladeinfrastruktur und das Stromverteilnetz müsse da geredet werden.

Aus Unternehmenskreisen war am Rande der Veranstaltung zu hören, dass die hohen Anschaffungskosten für Elektro-Lieferwagen derzeit noch nicht über die geringeren Betriebskosten kompensiert werden. Selbst beim Paketdienstleister UPS, der vor einigen Jahren abgängige Dieselfahrzeuge zu Elektrofahrzeugen hat umbauen lassen, hat sich die Investition erst nach rund acht Jahren amortisiert. Bemängelt wurde außerdem, dass es bisher kaum geeignete Fahrzeuge gibt. Der DHL-Streetscooter sei für die reinen Paketdienste zu klein. In der Sprinterklasse steht eine neue Generation von Fahrzeugen mit höherer Reichweite noch vor dem Großserienstart. (roe)

Externer Link: KEP-Studie 2018