Unfallforschung: Blaue Wildreflektoren kann man sich sparen

Blaue Reflektoren an den Straßen-Leitpfosten vermindern Wildunfälle doch nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie der Uni Göttingen für die Unfallforschung der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Für die Studie wurde das Unfallgeschehen an 151 Straßenabschnitten von je 2km Länge über zwei Jahre beobachtet – jeweils zufällig ausgewählt ein Jahr mit drei verschiedenen blauen Reflektortypen und ein Jahr ohne. Im Ergebnis war ein Reduzierung der Wildunfälle weder erkennbar noch statistisch nachweisbar.

Zuletzt hatte das Institut für Wildbiologie in einer Studie für den Deutschen Jagverband und den ADAC in einem über vier Jahre laufenden Versuch an 28 Teststrecken eine positive Wirkung von blauen Reflektoren festgestellt.

Siegfried Brockmann, Leiter der UDV, nannte gegenüber dem Verkehrsbrief als Hauptgrund für die unterschiedlichen Ergebnisse die Zahl der Teststrecken. Die Zahl der Wildunfälle werde von sehr vielen Faktoren beeinflusst, zum Beispiel erhöhtem/geringeren Verkehrsaufkommen infolge von Umleitung oder veränderte Wanderwegen des Wildes. Nur eine hohe Zahl von Versuchsstrecken könne diese Zufallseffekte eliminieren. Tatsächlich sei die Entwicklung der Wildunfälle nach Installation der Reflektoren auch in der UDV-Studie sehr unterschiedlich – sowohl nach oben als auch nach unten.

Brockmann hob hervor, die begleitende Beobachtung mit nachtsichtfähigen Kameras habe ergeben, dass sich die Tiere im Grunde mehrheitlich richtig verhielten. Dabei war egal, ob es Reflektoren gab oder nicht. Gut 94 Prozent der Tiere, die noch nicht die Straße oder den Straßenrand betreten hatten, flüchteten bei Annäherung von Autos oder warteten das Passieren ab. Gut ein Drittel befand sich bei Annähern eines Autos bereits auf der Straße oder dem Straßenrand, wäre also durch Reflektoren nicht abzuhalten gewesen.

Vor diesem Hintergrund sprach sich Brockmann dafür aus, sich nicht länger damit zu beschäftigen, wie man Wild davon überzeugen kann, die Straße nicht zu betreten. Wirksamstes Mittel gegen Wildunfälle werde wohl die physische Trennung von Wild und Kraftfahrzeugen mit Zäunen bleiben, ergänzt durch Grünbrücken. Aber auch die Sicherung von bekannten Wildquerungen durch elektronische Wildwarnanzeigen sei denkbar. Fahrzeugseitig sei an Wärmebildsensoren zu denken, die die Fahrer rechtzeitig auch bei Dunkelheit auf Wildtiere auf oder an der Fahrbahn aufmerksam machen, damit sie rechtzeitig bremsen können. (roe)

Externe Links: