Technische Gutachter des BMVI uneins bei Hardware-Nachrüstung

  • Mehrverbrauch wohl unvermeidbar
  • Kommt eine Hardware-Nachrüstung rechtzeitig?

Der einzige technisch sinnvolle Weg für eine Hardware-Nachrüstung älterer Diesel-Pkw ist der Einbau von SCR-Katalysatoren – zumindest darin sind sich die technischen Gutachter der Diesel-Expertengruppe I einig. In vielen anderen Punkt liegen sich sie jedoch auseinander.

Am einfachsten dürfte dies bei Modellen sein, die entweder schon früher für den US-Markt mit SCR-Kats ausgerüstet werden konnten oder die in Europa mit SCR-Kats als Zusatzausstattung geliefert werden konnten. Dort ist in der Regel genügend Einbauraum für Technik und Harnstoff-Tank („Adblue“) vorhanden.

Mehrverbrauch wohl unvermeidbar

Schwierig wird es bei Modellen, bei denen kein Einbauraum vorgesehen ist. Ein Knackpunkt bei Nachrüstungen ist dabei die Betriebstemperatur des Katalysators. Sie muss über 180-200 Grad liegen, damit die Stickoxide in ungiftige Stoffe (Stickstoff und Wasserdampf) umgewandelt werden können. Sonst droht Ausstoß von giftigem Ammoniakgas.

Diese Temperatur wird nicht in allen Fahrzuständen sicher erreicht. Deshalb muss der Abgasstrang zusätzlich aufgeheizt werden, was abhängig vom Einbauort – nah am Motor oder erst im Unterboden – nicht nur das elektrische Bordnetz überfordern kann, sondern auch zusätzlichen Kraftstoffverbrauch verursacht. Nach bisherigen Erfahrungen mit Pilotumbauten liegt er bei knapp 5 Prozent.

Um ein reibungsloses und optimales Funktionieren des SCR sicherzustellen, ist zusätzlich ein Update der Motorsoftware erforderlich. Während Prof. Georg Wachtmeister von der TU München – der Sympathie für Hardware-Nachrüstungen durchblicken lässt – auch einen Einbau von Nachrüst-SCR-Kats ohne Anbindung an die Motorsoftware für denkbar hält, plädiert die Gutachtergruppe um Prof. Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) für eine voll integrierte Lösung.

Welche Kosten sind zu erwarten?

Zu völlig konträren Ergebnissen kommen die Gutachter bei den Kosten je Fahrzeug. Wachtmeister hält Schätzungen von Nachrüstanbietern, die Beträge von 1000 bis 3000 EUR nennen, für zu optimistisch. 3000 EUR inklusive Einbau seien aber realistisch, wobei Wachtmeister offen lässt, ob er den Netto- oder den Bruttobetrag meint.

Die Gutachter um Koch, die ersichtlich eine technisch perfekte Lösung anstreben, kommen für den nachträglichen Einbau eines SCR-Kats in zwei Kostenvoranschlägen auf 6600 bis 9000 EUR (inklusive Mehrwertsteuer). Enthalten sind 20 bis 25 Arbeitsstunden zu je 110 EUR. Auffällig sind die hohen Preise für Kleinteile, die vermuten lassen, dass für die Teile die Listen-Ersatzteilpreise angesetzt wurden, nicht die Selbstkosten.

Kommt eine Hardware-Nachrüstung rechtzeitig?

Zum benötigten Umsetzungszeitraum für eine Hardware-Nachrüstung äußert sich Wachtmeister nicht, macht aber klar, dass höhere Ansprüche auch höheren Entwicklungsaufwand nach sich ziehen. Die Gutachtergruppe um Koch schätzt, dass für die komplette Neuentwicklung einer SCR-Abgasreinigung durch die Hersteller zwei bis drei Jahre nötig sind. Um eine Nachrüstlösung Dritter sauber zu adaptieren, werden 1,5 Jahre Entwicklungsdauer genannt. Für Fahrzeuge, die schon mit SCR lieferbar waren, werden ein bis 1,5 Jahre geschätzt. Hier gehe es vor allem um die Einbindung („Applikation“) und das Durchlaufen der Absicherungs- und Freigabeprozesse. (roe)

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