Schlechte Chancen für private Elektroautos in Großstädten

Elektromobilität tut sich in den Großstädten besonders schwer, und Homeoffice verringert nicht die Arbeitswege: Das sind erste überraschende Auswertungsergebnisse der großen Umfrage „Mobilität in Deutschland 2017“ (MiD 2017), die am Mittwoch im BMVI vorgestellt wurde.

Pkw von Stadthaushalten werden im Gegensatz zu Pkw in Dörfern und ländlichen Kleinstädten zwar seltener, aber dafür verstärkt auf langen Strecken eingesetzt. Das berichtete Tobias Kuhnimhof vom Forschungsinstitut DLR. Hintergrund ist, dass für die Alltagsmobilität in stärkerem Umfang als auf dem Lande ÖPNV und Fahrrad genutzt werden. In Stadthaushalten gebe es auch häufiger als auf dem Lande nur einen Pkw. Das mache es tendenziell schwieriger, Elektro-Pkw mit ihrer geringen Reichweite in das Mobilitätsverhalten von Großstädtern einzupassen. Hinzu kommt, dass auf dem Land in 90 Prozent aller Haushalte ein Pkw-Stellplatz (mit potenzieller Lademöglichkeit) auf dem eigenen Grundstück vorhanden ist, in den Metropolen aber nur in 40 Prozent. Laut MiD entfallen 13 Prozent des gesamten Kfz-Bestandes auf Haushalte in den Metropolen, aber nur 9 Prozent des Elektroauto-Bestands. „Eigentlich muss man staunen, dass überhaupt 9 Prozent der E-Fahrzeuge auf Metropolen entfallen“, sagte er. Kuhnimhof wollte sich gegenüber dem Verkehrsbrief aber nicht festlegen, welche Schlüsse daraus für die Ladesäulenstrategien von Bund und Ländern zu ziehen sind.

Kuhnimhof räumte außerdem mit der beliebten These auf, dass Homeoffice die Arbeitswege grundsätzlich verringert. Aus den MiD-Zahlen ergebe sich, dass Home-Office-Nutzer im Durchschnitt pro Woche mehr Pendel-Kilometer zurücklegen als tägliche Berufspendler. Aus den Zahlen werde aber nicht klar, was Henne und was Ei ist – ob lange Wege zur Arbeitsstätte Homeoffice attraktiv machen, oder ob Homeoffice es erst ermöglicht, einen weiter entfernten Arbeitsplatz anzunehmen. Hier müsse noch genauer nachgeschaut werden.

Für MiD 2017 hat das BMVI bundesweit 2017 rund 35.000 Haushalte befragen lassen. Für vertiefende regionale Untersuchungen konnten Länder, Kreise und Kommunen eigene Module hinzubuchen, so das am Ende rund 155.000 Haushalte mit gut 315.000 Personen befragt wurden. Nach Worten von Verkehrsstaatssekretär Gerhard Schulz handelt es vermutlich um die weltweit umfangreichste Befragung zur Mobilität. (roe)

Externer Link: Themenseite des BMVI zu MiD 2017