Rückgang der Alkoholunfälle im Straßenverkehr stagniert

  • Erfassungslücken bei Wasserstraße und Luftverkehr

Nach einem fast stetigen Rückgang von alkohol- und drogenbedingten Verkehrsunfällen seit 2007 ist deren Zahl 2016 erstmals wieder gestiegen. Das zumindest legen Statistiken nahe, die das BMVI auf Anfrage der FDP zusammengestellt hat. Danach standen 2007 noch gut 50.200 der Hauptverursacher von Verkehrsunfällen unter dem Einfluss von Alkohol und/oder anderen berauschenden Mitteln. 2015 waren es nur noch 36.300. 2016 stieg die Zahl jedoch wieder auf gut 37.500 an. Für 2017 liegen die entsprechenden Zahlen noch nicht vor.

Der Übersichtlichkeit wegen wurden die einzelnen Verkehrsmittel auf zwei Grafiken aufgeteilt:

Daten: BMVI/BASt, Grafik: roe

 

Positiv zu bemerken ist, dass der Anteil der Verkehrstoten wie auch der Unfälle insgesamt zurückgeht, für die alkoholisierte oder berauschte Verkehrsteilnehmer als Hauptverursacher genannt werden.

Daten: BMVI/BASt, Grafik: roe

Für den Anstieg 2016 gibt es auch in Verkehrssicherheits-Fachkreisen keine Erklärung. In Verkehrssicherheitskreisen wird spekuliert, dass die Kontrollintensität zugenommen haben könnte.

Auffällig ist auch, dass bei fast allen Arten von Verkehrsteilnehmern die alkohol- und drogenbedingten Verkehrsunfälle auch 2010 zurückgegangen ist, um anschließend wieder zuzunehmen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Wirtschaftskrise und die dadurch reduzierte Fahrleistung eine Rolle gespielt haben könnten.

Bemerkenswert ist nach Ansicht des Fragestellers, des FDP-Gesundheitsexperten Wieland Schinnenburg, dass sich die Zahl der Unfall-Hauptverursacher unter Drogeneinfluss mit Ausnahme der Fußgänger im Betrachtungszeitraum ungefähr verdreifacht hat – wenn auch auf jeweils niedriger Basis. Schinnenburg spricht sich daher für eine kontrollierte Cannabisabgabe aus, um die Konsumenten in der Abgabestellen besser über die Wirkungen aufklären zu können.

Erfassungslücken bei Wasserstraße und Luftverkehr

Im Schienenverkehr ist zuletzt 2014 ein Unfall passiert, bei dem der Lokführer alkoholisiert war.

Im Luftverkehr ist kein alkohol- oder drogenbedingter Unfall bekannt. Beim Germanwings-Absturz stand der verantwortliche Pilot allerdings unter Medikamenteneinfluss. Im Nachgang zu diesem Unglück wurden 2016 Stichprobenkontrollen ermöglicht. Noch aus demselben Jahr ist dem Bund ein Fall aus dem Jahr 2016 bekannt, bei dem zwei Besatzungsmitglieder positiv auf Alkohol kontrolliert wurden. Die Hauptverantwortlichkeit und damit auch die Statistik liegt jedoch bei den Luftfahrtbehörden der Länder.

In der Seeschifffahrt (nur Berufsschifffahrt) bewegte sich die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss in den letzten Jahren zwischen ein und drei pro Jahr. Für die Binnenschifffahrt gibt es bisher keine Unfallstatistik (siehe hier). (roe)

Externer Link: Kleine Anfrage der FDP zu Alkohol und Drogen im Straßenverkehr