Ladeinfrastruktur für E-Autos wird intelligenter und preiswerter

  • Laternenparken neu definiert
  • Last für das Stromnetz mindern
  • Einige Organisationen wollen ihre Parkplätze öffnen
  • 96 Mio. EUR für 15 Verbundvorhaben

Ladeinfrastruktur für Elektroautos kann schon bald sehr viel preiswerter werden. Das wurde in dieser Woche auf der Auftaktveranstaltung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) zum Förderprogramm „Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge“ im Rahmen des Sofortprogramms Saubere Luft deutlich.

Laternenparken neu definiert

Zum Beispiel will der Ladesystemspezialist Ubitricity zusammen mit Partnern im Berliner Projekt „ELmobileBerlin“ 1000 Laternen-Ladepunkte einrichten. Die Kosten je Ladepunkt bezifferte Ubitricity-CEO Frank Pawlitschek gegenüber dem Verkehrsbrief anhand von Erfahrungen seines Unternehmens in London auf rund 1000 EUR je Ladepunkt, einschließlich Montage. Allerdings muss dann der Autofahrer den Stromzähler mitbringen („Mobile Metering“).

Um den Versuch nicht zusätzlich mit einer Diskussion über eine Umverteilung des Straßenraums zugunsten von E-Autos zu belasten, stehen zunächst Stadtviertel außerhalb des S-Bahn-Rings im Fokus – dort, wo die Bürger zwar noch am Straßenrand parken, aber der absolute Parkdruck gering ist. In London habe sich der Bezirk Kensington übrigens gegen eine Privilegierung von Elektroautos an den umgerüsteten Laternen entschieden, sagte Pawlitschek gegenüber dem Verkehrsbrief.

Last für das Stromnetz mindern

Im Projekt „ChargeBIG“ soll eine intelligente Ladesteuerung für 18 bis >100 Ladepunkte zum Beispiel für Parkhäuser, Mitarbeiterparkplätze oder Betriebshöfe entwickelt werden. Motto ist, nicht so schnell wie möglich zu laden, sondern so schnell wie nötig: Fahrzeug mit niedrigem Ladestand werden vorrangig geladen. Ziel ist es, die Spitzenbelastung des Stromnetzes zu senken. Deswegen können auch stationäre Pufferspeicher und lokale Photovoltaik-Anlagen eingebunden werden.

Einige Organisationen wollen ihre Parkplätze öffnen

Als neuer Trend zeichnete sich ab, Firmenparkplätze mit Ladepunkten auch für die breite Öffentlichkeit zu öffnen. Zum Beispiel will die Deutsche Telekom über ihre Tochtergesellschaft Comfortcharge 1100 Ladepunkte auf ihren Liegenschaften in acht Großstädten einrichten und öffentlich zugänglich machen (Projekt „Cities in Charge). Damit die Standorte auch bestmöglich den Bedürfnissen potenzieller Nutzer entsprechen, soll das Standortfindungsmodell für elektrische Ladeinfrastruktur (STELLA) der RWTH Aachen weitereintwickelt werden. Auch die Fraunhofer-Gesellschaft will die Parkplätze an 37 Instituten mit Ladepunkten ausstatten und für Dritte öffnen.

96 Mio. EUR für 15 Verbundvorhaben

Im Förderprogramm Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge unterstützt das BMWI insgesamt 15 sogenannte Verbundvorhaben von jeweils mehrerer Projektpartnern. Anders als bei den Ladeinfrastruktur-Programmen des Verkehrsministeriums wird auch wissenschaftlicher Nutzen für Kommunen, Energiewirtschaft und E-Fahrzeug-Nutzer gefordert. Das Programm ist 2018 angelaufen. Über die gesamte Laufzeit von maximal drei Jahren bis Ende 2020 stehen 96 Mio. EUR zur Verfügung.

Wirtschaftsstaatssekretär Oliver Wittke verteidigte in seinem Grußwort den Ansatz des Ministeriums, im Sofortprogramm Saubere Luft vorrangig batterieelektrische Mobilität zu fördern. „Ich erspare mir jetzt die Diskussion, ob die Elektromobilität die einzige alternative Antriebsart ist“, sagte. „Aber die Elektromobilität ist die am weitesten fortgeschrittene.“ (roe)