Kfz-Gewerbe für Wettbewerb bei der Diesel-Nachrüstung

  • Kostenteilung vorgeschlagen
  • Gewährleistungsdebatte nur ein „Popanz“?

Das Kfz-Gewerbe plädiert in der Frage der Hardware-Nachrüstung älterer Diesel-Pkw für einen pragmatischen Weg mit möglichst viel Wettbewerb, statt sich in jahrelangen Rechtsauseinandersetzungen mit den Fahrzeugherstellern zu verheddern. Das machten Vertreter des Kfz-Gewerbeverbandes ZDK am Donnerstag vor Journalisten in Berlin deutlich.

ZDK-Vizepräsident und Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk sagte, Ziel sollte es sein, dass der Verbraucher die Wahl hat, ob er eine Nachrüstlösung des Herstellers oder einer Zulieferers annimmt – oder eventuell auch gar nicht nachrüstet. Durch den Wettbewerb würden auch die Preise sinken. Er bezifferte die Kosten je Fahrzeug nach heutigem Stand auf 1500 bis 3000 EUR. Der Autoindustrieverband VDA nennt Zahlen von 3500 bis 4500 EUR. 40 Prozent der Verbraucher seien im übrigen bereit, die Nachrüstung aus der eigenen Tasche zu bezahlen.

Kostenteilung vorgeschlagen

Er schlug aber dennoch eine Aufteilung der Kosten zwischen Halter, Hersteller und Staat vor. Dazu könnte zum Beispiel einen Fonds eingerichtet werden, ohnen aber einen Einzahlungsschlüssel zu nennen. Mit diesem Vorschlag stehe das Handwerk in der Expertengruppe I des Diesel-Forums (Emissionsreduzierung der Bestandsflotte) aber „noch“ alleine da, räumte er ein. Während die Industrie überhaupt nichts von einer Nachrüstung hält, fordern Umwelt- und Verbraucherverbände einen möglichst hohe Kostenübernahme durch die Hersteller.

Indirekt widersprach Hülsdonk auch der Ansicht des VDA, dass eine Zertifizierung von Nachrüstsätzen eine Wintererprobung umfassen müsse und daher mindestens zwei Jahre in Anspruch nehme. Entsprechende Rechtsgrundlagen vorausgesetzt ließe sich die Zulassung durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) binnen drei Monaten erledigen. Das belegten die Erfahrungen aus der Nachrüstung mit Katalysatoren und Partikelfiltern. Die Nachrüstung solle durch einen Eintrag in die Fahrzeugpapiere nachgewiesen werden. Das Wort „blaue Plakette“ wollte er ausdrücklich nicht in die Mund nehmen, ließ aber eine gewisse Sympathie für das Modell durchblicken, weil es allemal besser sei als ein Flickenteppich kommunal unterschiedlicher Regeln.

Gewährleistungsdebatte nur ein „Popanz“?

Als „Popanz“ bezeichnete er die Diskussion über die Gewährleistung. Das Kfz-Gewerbe nehme täglich Eingriffe in Autos vor und übernehme dafür die Gewährleistung. Das Argument ist seiner Meinung nach von einer „Interessengruppe“ in die Diskussion eingebracht worden, um die Politik von einer Hardware-Nachrüstung abzubringen. (roe)