{"id":1935842,"date":"2018-04-05T17:53:43","date_gmt":"2018-04-05T15:53:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verkehrsbrief.de\/?p=1935842"},"modified":"2018-04-12T15:37:25","modified_gmt":"2018-04-12T13:37:25","slug":"gericht-stellt-mindestlohnpflicht-fuer-auslaender-in-frage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/?p=1935842","title":{"rendered":"Gericht stellt Mindestlohnpflicht f\u00fcr Ausl\u00e4nder in Frage"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><strong>DSLV f\u00fcr Lockerung der Mindestlohnpflicht, SPD f\u00fcr Versch\u00e4rfung<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Anwendbarkeit des deutschen Mindestlohns auf Dienstleistungen ausl\u00e4ndischer Lkw-Unternehmen in Deutschland steht wieder in Frage. <!--more-->Anlass ist ein durch R\u00fccknahme der Berufung rechtskr\u00e4ftig gewordenes Urteil des Amtsgerichts Wei\u00dfenburg (Bayern). In dem Verfahren hatte sich ein polnischer Lkw-Unternehmer gegen seinen deutschen Auftraggeber durchgesetzt, der ihm das Entgelt f\u00fcr eine innerdeutsche Kabotagefahrt erst auszahlen wollte, wenn er die Zahlung des Mindestlohns an das Fahrpersonal belegt hatte. Der Auftraggeber hatte sich im Auftrag die Option offengelassen, einen Lohnnachweis einzufordern.<\/p>\n<p>In der Urteilsbegr\u00fcndung, die dem Verkehrsbrief vorliegt, h\u00e4lt der Richter die Forderung nach einem Lohnnachweis jedoch f\u00fcr rechtswidrig, weil das Mindestlohngesetz \u201ef\u00fcr den Fall der sogenannten &#8218;Kabotage&#8216; wegen eines Versto\u00dfes gegen die europ\u00e4ische Grundfreiheit der Dienstleistungsfreiheit unwirksam ist\u201c.<\/p>\n<p>Schutzzweck des Gesetzes sei, gleiche Lebensverh\u00e4ltnisse in Deutschland zu schaffen und die Erhaltung des Lebensstandards zu erm\u00f6glichen. \u201eDieser Zweck ist im Hinblick auf kurzfristige T\u00e4tigkeiten, bei der die Arbeitnehmer letztlich ihren Wohnsitz im einem anderen Mitgliedsstaat behalten und hier nur kurzfristig t\u00e4tig werden, nicht geboten.\u201c Deren Lebensstandard richte sich nicht nach den Lebenshaltungskosten in Deutschland, sondern nach den Lebenshaltungskosten in ihrem Heimatland, konkret in Polen.<\/p>\n<p>In einem weiteren Verfahren auf einstweiligen Rechtsschutz hat das Finanzgericht Berlin-Brandenburg eine Antrag des Zolls abgelehnt, anhand von internen Unterlagen eines polnischen Unternehmen zu pr\u00fcfen, ob dessen Lkw tats\u00e4chlich nur im Transit in Deutschland unterwegs waren. Eine Anfrage des Verkehrsbriefs bei der Generallzolldirektion, ob es m\u00f6glicherweise auch Gerichtsentscheidungen zugunsten des Mindestlohngesetzes gab, blieb bisher unbeantwortet.<\/p>\n<h5>DSLV f\u00fcr Lockerung der Mindestlohnpflicht, SPD f\u00fcr Versch\u00e4rfung<\/h5>\n<p>Um Wettbewerbsverzerrungen und Sozialdumping vorzubeugen, fordern SPD und Speditionsverband DSLV vor diesem Hintergrund gleicherma\u00dfen eine Klarstellung des Europarechts &#8211; allerdings mit unterschiedlichen Akzenten: Der DSLV fordert, nationale Mindestl\u00f6hne nur auf Kabotagetransporten anzuwenden. Bei grenz\u00fcberschreitenden Transporten fehlen hingegen der Inlandsbezug. Sie seien daher vollst\u00e4ndig vom Entsenderecht auszunehmen. Derzeit hat die Bundesregierung die Mindestlohnpflicht nur f\u00fcr reine Transitverkehre ausgesetzt, nicht aber f\u00fcr Verkehre von und nach Deutschland.<\/p>\n<p>Die SPD hingegen fordert die Bundesregierung auf, die derzeit diskutierte EU-Entsenderichtlinie f\u00fcr den Transportsektor (siehe <a href=\"http:\/\/www.verkehrsbrief.de\/mindestlohnrecht-fur-lkw-fahrer-hat-gute-aussichten-auf-bestand\/\">hier<\/a>) z\u00fcgig auf Kabotagefahrten anzuwenden. \u201eSollte dies nicht ausreichen, m\u00fcssen wir die entsprechenden Gesetze anpassen, um damit die Zwei-Klassen-Gesellschaft auf deutschen Stra\u00dfen endg\u00fcltig abzuschaffen\u201c, erkl\u00e4rten die SPD-Verkehrsexperten Kirsten L\u00fchmann und Udo Schiefner.<\/p>\n<p>Der G\u00fcterkraftverkehrsverband BGL spricht sich schon seit 2015 daf\u00fcr aus, nur reine Transitverkehre von der Mindestlohnpflicht auszunehmen. Das w\u00fcrde der heutigen Praxis entsprechen.<\/p>\n<p>Ein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland schwelt seit Mai 2015 (siehe <a href=\"http:\/\/www.verkehrsbrief.de\/eu-nimmt-deutschen-mindestlohn-ins-visier\/\">hier<\/a>). Die Kommission wirft Deutschland vor, mit seiner Ausgestaltung des Mindestlohnrechts ausl\u00e4ndische Unternehmen bei der Wahrnehmung der Dienstleistungsfreiheit zu diskriminieren. (roe)<\/p>\n<p><strong>Externe Links:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.dslv.org\/dslv\/web.nsf\/id\/li_fdihax9j7m.html\">Pressemitteilung des DSLV<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.spdfraktion.de\/presse\/pressemitteilungen\/urteil-kabotagefahrten-entsenderichtlinie-europaeischen-kommission\">Pressemitteilung der SPD<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de\/jportal\/portal\/t\/279b\/bs\/10\/page\/sammlung.psml?pid=Dokumentanzeige&amp;showdoccase=1&amp;js_peid=Trefferliste&amp;documentnumber=1&amp;numberofresults=1&amp;fromdoctodoc=yes&amp;doc.id=STRE201870146&amp;doc.part=L&amp;doc.price=0.0#focuspoint\">Beschluss des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg zum einstweiligen Rechtsschutz gegen Mindestlohnpr\u00fcfung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_IP-16-2101_de.htm\">Pressemitteilung der EU-Kommission zum Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DSLV f\u00fcr Lockerung der Mindestlohnpflicht, SPD f\u00fcr Versch\u00e4rfung Die Anwendbarkeit des deutschen Mindestlohns auf Dienstleistungen ausl\u00e4ndischer Lkw-Unternehmen in Deutschland steht wieder in Frage.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1935842"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1935842"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1935842\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1935843,"href":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1935842\/revisions\/1935843"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1935842"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1935842"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1935842"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}