{"id":1935140,"date":"2018-01-25T17:52:38","date_gmt":"2018-01-25T16:52:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verkehrsbrief.de\/?p=1935140"},"modified":"2018-01-25T17:53:41","modified_gmt":"2018-01-25T16:53:41","slug":"diesel-expertengruppe-i-verzichtet-auf-eine-klare-empfehlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/?p=1935140","title":{"rendered":"Diesel-Expertengruppe I ohne eine klare Empfehlung"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><strong>SCR-Kat Mittel der Wahl<\/strong><\/li>\n<li><strong>OEM oder Nachr\u00fcstanbieter?<\/strong><\/li>\n<li><strong>Wer gibt den Ansto\u00df zur Nachr\u00fcstung?<\/strong><\/li>\n<li><strong>Wer tr\u00e4gt die Kosten?<\/strong><\/li>\n<li><strong>L\u00e4sst sich eine Pflicht zur Nachr\u00fcstung konstruieren?<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Hardware-Nachr\u00fcstungen von \u00e4lteren Diesel-Pkw sind wirksam, im Grundsatz machbar und rechtlich gangbar. <!--more-->Zu diesem Ergebnis kommt die Expertengruppe I des Nationalen Forums Diesel im Entwurf f\u00fcr den Abschlussbericht, der dem Verkehrsbrief vorliegt. Sie spricht aber keine eindeutige Handlungsempfehlung aus, sondern skizziert lediglich mehrere m\u00f6gliche Optionen.<\/p>\n<h5>SCR-Kat Mittel der Wahl<\/h5>\n<p>Als K\u00f6nigsweg ist laut dem \u201eMotorenpapst\u201c Prof. Georg Wachtmeister von der TU M\u00fcnchen die Nachr\u00fcstung mit SCR-Katalysatoren anzusehen, also Abgas-Nachbehandlung mit Hilfe von Adblue. Im Idealfall lie\u00dfen sich damit die NOx-Emissionen um 90 Prozent verringern. Theoretisch m\u00f6glich w\u00e4re auch eine Nachbesserung von Systemen zur Abgasr\u00fcckf\u00fchrung oder der Einbau von NOx-Speicherkatalysatoren. Sie w\u00fcrden jedoch deutlich mehr Abstimmung mit der Motorsteuerung erfordern und seien vergleichsweise unwirtschaftlich.<\/p>\n<h5>OEM oder Nachr\u00fcstanbieter?<\/h5>\n<p>Die SCR-Nachr\u00fcstung sollte laut Wachtmeister im Idealfall der Fahrzeughersteller (OEM) anbieten, weil er am besten \u00fcber die Interaktion mit dem Motor Bescheid wei\u00df. Laut ADAC gibt es f\u00fcr eine Reihe g\u00e4ngiger Modelle Euro-5-Modelle deutscher Hersteller fertige Nachr\u00fcsts\u00e4tze in den Ersatzteilregalen. Der Aufpreis bei Einbau ab Werk wurde seinerzeit mit 1200 bis 1500 EUR beziffert.<\/p>\n<p>Zweiter denkbarer Weg w\u00e4re der Einbau von Nachr\u00fcsts\u00e4tzen von Drittherstellern. Drei L\u00f6sungen wurden von ADAC und DUH beispielhaft erprobt. Die NOx-Emissionen wurden damit um 65 bis 95 Prozent verringert. Unter Umst\u00e4nden steigt durch die Nachr\u00fcstl\u00f6sungen der Spritverbrauch um 5 Prozent. Daf\u00fcr bringen sie teilweise durch ausgefeilte Einspritztechnik teilweise mehr NOx-Reduzierung bei niedrigen Betriebstemperaturen. Die Kosten je Fahrzeug wurden von den Anbietern gestaffelt nach St\u00fcckzahlen mit 1.000 EUR bis 3000 EUR beziffert. \u201eNach den derzeit vorliegenden Erkenntnissen ist eine detaillierte Kosten-\/Nutzen-Bewertung nicht m\u00f6glich\u201c, hei\u00dft es warnend im Bericht.<\/p>\n<p>Vergleichsweise ausf\u00fchrlich werden die Pr\u00fcf- und Zertifizierungsanforderungen diskutiert, damit die Hardware-Nachr\u00fcstung tats\u00e4chlich h\u00e4lt, was sie verspricht. Das gilt erst recht f\u00fcr Zulassungsfragen.<\/p>\n<h5>Wer gibt den Ansto\u00df zur Nachr\u00fcstung?<\/h5>\n<p>Bei einer Nachr\u00fcstung seitens des Herstellers oder zumindest unter seiner Aufsicht sollte dieser eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) f\u00fcr den Nachr\u00fcstsatz beim Kraftfahrt-Bundesamt beantragen. Damit ist der Halter auf der sicheren Seite, dass durch die Nachr\u00fcstung nicht die anderen Emissionsvorschriften verletzt werden. Falls der CO2-Aussto\u00df steigt, wird das ebenfalls in der ABE dokumentiert und stellt so sicher, dass die Zulassung nicht erlischt \u2013 \u00e4hnlich wie bei einer ABE f\u00fcr Breitreifen. Auswirkungen auf die CO2-Komponente der Kfz-Steuer erg\u00e4ben sich somit nicht. Favorisiert wird, dass der Hersteller gegen\u00fcber dem Halter auch f\u00fcr die Funktion des Nachr\u00fcstsatzes geradesteht und die Herstellergarantie nicht engeschr\u00e4nkt wird.<\/p>\n<p>Falls die Initiative zur Nachr\u00fcstung vom Halter ausgehen soll \u2013 unabh\u00e4ngig von der Frage, wer sie bezahlt! &#8211; wird ebenfalls der Weg \u00fcber eine ABE f\u00fcr Nachr\u00fcsts\u00e4tze empfohlen. Damit sich die Halter f\u00fcr eine Nachr\u00fcstung entscheiden, werden ihnen \u201ebestimmte staatlich definierte Anreize bzw. Vorteile gew\u00e4hrt\u201c. Das Reizwort \u201eBlaue Plakette\u201c wird zwar nicht erw\u00e4hnt, liegt aber auf der Hand. \u201eDie Definition der durch den Vorteil beg\u00fcnstigten Fahrzeuge sollte nicht allein \u00fcber die Einstufung nach Abgasnormen erfolgen, sondern auch die nachger\u00fcsteten Fahrzeuge umfassen\u201c, hei\u00dft es weiter. Formal w\u00fcrde n\u00e4mlich \u2013 zumindest so die implizite Botschaft \u2013 ein nachger\u00fcsteter Euro-5-Pkw weiter unter Abgasnorm Euro 5 laufen, obwohl er de facto sauberer als die meisten Euro-6-Diesel ist.<\/p>\n<p>Die Garantie f\u00fcr das Funktionieren des Nachr\u00fcstsatzes soll der jeweilige Lieferant geben. An die Autohersteller wird aber die Erwartung gerichtet, dass die Herstellergarantie f\u00fcr das Auto trotz des Eingriffs grunds\u00e4tzlich erhalten bleibt.<\/p>\n<h5>Wer tr\u00e4gt die Kosten?<\/h5>\n<p>Relativ industriefreundlich wird die Frage er\u00f6rtert, ob die Autohersteller dazu verpflichtet werden k\u00f6nnen, die Kosten einer Nachr\u00fcstung zu \u00fcbernehmen. Hier hat die Expertengruppe &#8211; wenig \u00fcberraschend \u2013 keine gemeinsame Sprache gefunden, weswegen es auch zwei Sondervoten gibt.<\/p>\n<p>Im Mehrheitsvotum wird f\u00fcr eine \u201eF\u00f6rderung\u201c der Umr\u00fcstung pl\u00e4diert, also keine hundertprozentige \u00dcbernahme der Kosten. \u201eEine solche F\u00f6rderung k\u00f6nnte sich neben \u00f6ffentlichen Mitteln idealerweise auch aus freiwilligen finanziellen Beitr\u00e4gen der Automobilhersteller speisen\u201c, hei\u00dft es. Im Interesse einer breiten Umsetzung m\u00fcsse gew\u00e4hrleistet sein, dass die Halter m\u00f6glichst geringe Kosten f\u00fcr die Nachr\u00fcstung zu tragen haben.<\/p>\n<p>Alternativ wird eine steuerliche F\u00f6rderung vorgeschlagen, analog etwa zu Sonderausgaben oder Handwerkerleistungen. Das politische Risiko wird darin gesehen, dass Haushalte mit hoher Steuerlast \u2013 \u201eBesserverdiener\u201c &#8211; davon mehr profitieren als Geringverdiener.<\/p>\n<h5>L\u00e4sst sich eine Pflicht zur Nachr\u00fcstung konstruieren?<\/h5>\n<p>F\u00fcr eine komplette \u00dcbernahme der Kosten durch die Hersteller wird in zwei Sondervoten pl\u00e4diert. Das rheinland-pf\u00e4lzische Umweltministerium argumentiert, dass die bisherige Praxis, die Emissionsgrenzwerte nur im Labor einzuhalten, nicht vom Ziel der EU-Abgasrichtlinie gedeckt wird. Wenn die Abgasreinigung weniger als die H\u00e4lfte der Zeit vollumf\u00e4nglich funktioniert, sei \u201enormal use\u201c nicht mehr abgedeckt. Die Hersteller h\u00e4tten daher die Zulassungsbeh\u00f6rden get\u00e4uscht. \u201eUnter diesen Voraussetzungen kann das KBA die erteilten Typengenehmigungen ganz oder teilweise zur\u00fccknehmen oder nachtr\u00e4glich anordnen, dass die Hersteller im Rahmen einer R\u00fcckrufaktion aller betroffenen Fahrzeuge verpflichtet werden, die Hardwarenachr\u00fcstung vorzunehmen und die Garantie f\u00fcr diese Ma\u00dfnahme zu \u00fcbernehmen.\u201c<\/p>\n<p>\u00c4hnlich argumentiert der Verbraucherzentrale-Bundesverband: Laut \u00a725 der EG-Fahrzeuggenehmigungsverordnung kann das KBA \u201edie Typgenehmigung bei Vorliegen eines erheblichen Risikos f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit oder Umwelt widerrufen.\u201c Das sieht der VZBV gegeben. Um einen solchen Widerruf zu vermeiden, k\u00f6nnte das KBA als mildere Ma\u00dfnahme eine Hardware-Nachr\u00fcstung vorschreiben. Erstrebenswert w\u00e4re laut VZBV ein Deal, wonach die Hersteller den Haltern eine Hardware-Nachr\u00fcstung anbieten. Halter, die sie nicht annehmen, d\u00fcrfen sie im Gegenzug aber auch nicht wegen erh\u00f6hter Realemissionen verklagen. (roe)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SCR-Kat Mittel der Wahl OEM oder Nachr\u00fcstanbieter? Wer gibt den Ansto\u00df zur Nachr\u00fcstung? Wer tr\u00e4gt die Kosten? L\u00e4sst sich eine Pflicht zur Nachr\u00fcstung konstruieren? 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