{"id":1934641,"date":"2017-11-23T18:51:42","date_gmt":"2017-11-23T17:51:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verkehrsbrief.de\/?p=1934641"},"modified":"2017-12-01T11:56:55","modified_gmt":"2017-12-01T10:56:55","slug":"neuer-vorstoss-fuer-elektroauto-quote-stoesst-auf-widerspruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/?p=1934641","title":{"rendered":"Neuer Vorsto\u00df f\u00fcr Elektroauto-Quote st\u00f6\u00dft auf Widerspruch"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><strong>Quote als hilfreicher Zwang<\/strong><\/li>\n<li><strong>Absage an Technologieneutralit\u00e4t<\/strong><\/li>\n<li><strong>E-Fuel-Importe strittig<\/strong><\/li>\n<li><strong>Abgaben, Umlagen und Steuern im Visier<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen (SRU) fordert in einem neuen Gutachten zum Klimaschutz im Verkehrssektor unter anderem eine Quote f\u00fcr Elektrofahrzeuge. Er st\u00f6\u00dft mit seinen Thesen bei Fachleuten aber auch auf Widerspruch.<!--more--><\/p>\n<p>In dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Sondergutachten pl\u00e4diert der SRU f\u00fcr eine Quote von 25 Prozent Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. Bis 2030 sollte die Quote auf 50 Prozent steigen. Damit nicht nur Zwei- und Drittautos durch E-Autos ersetzt werden, sollte eine Mindestreichweite f\u00fcr die volle Anrechnung verlangt werden. Fahrzeuge mit geringerer Reichweite und Plug-In-Hybride sollten nur teilweise angerechnet werden. Sp\u00e4testens ab Mitte der 2030er Jahre m\u00fcssten alle Neuzulassungen emissionsfrei sein, damit die Bestandsflotte bis 2050 ann\u00e4hernd klimaneutral ist. Die Quote sollte m\u00f6glichst noch in die aktuelle Novelle der europ\u00e4ischen CO2-Gesetzgebung einflie\u00dfen.<\/p>\n<h5>Quote als hilfreicher Zwang<\/h5>\n<p>Industriepolitisch sieht Prof. Claudia Kemfert vom SRU in der Quote den Vorteil, dass die Hersteller in Europa unter Druck gesetzt werden, selbst attraktive Modelle auf den Markt zu bringen. Andernfalls drohe die Gefahr, dass im Elektroantrieb schneller voranschreitende Autol\u00e4nder \u2013 konkret China \u2013 den deutschen Markt erobern, w\u00e4hrend die deutschen Hersteller noch am Verbrennungsmotor h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Helge Pols von der Stabsstelle Klimaschutz im BMVI bezeichnete in der anschlie\u00dfenden Diskussion die Debatte \u00fcber eine Quote f\u00fcr \u201eakademisch\u201c. Die Menschen wurden nur dann Elektroautos kaufen, wenn sie davon pers\u00f6nliche Vorteile h\u00e4tten. Nicola Br\u00fcning von BMW erg\u00e4nzte, L\u00e4nder mit einer hohen Elektroauto-Anteil w\u00fcrden den K\u00e4ufern greifbare Vorteile gew\u00e4hren. Mit einem Schmunzeln erg\u00e4nzte sie, n\u00f6tig sei eigentlich eine \u201eK\u00e4uferquote\u201c.<\/p>\n<h5>Absage an Technologieneutralit\u00e4t<\/h5>\n<p>Entschieden spricht sich der SRU gegen Technologieneutralit\u00e4t in der F\u00f6rderung aus. Zum einen sei der direktelektrische Antrieb doppelt so energieeffizient wie die n\u00e4chstbeste Alternative Brennstoffzelle und sogar sechs- bis siebenmal so effizient wie strombasierte Gas- und Fl\u00fcssigkraftstoffe (E-Fuels). Nicht zuletzt aus diesem Grund spricht sich der SRU auch f\u00fcr den Oberleitungs-Lkw aus \u2013 nach kontroverser Debatte, wie Kemfert einr\u00e4umte.<\/p>\n<p>Zum anderen drohe bei technologieneutraler F\u00f6rderung &#8211; zum Beispiel in Form von CO2-Bepreisung -, dass der etablierte und gut beherrschte Verbrennungsmotor mit dem vorhandenen Tankstellennetz einen Startvorteil hat und mit synthethischen Kraftstoffen ein langfristig nicht optimaler Pfad eingeschlagen wird.<\/p>\n<h5>E-Fuel-Importe strittig<\/h5>\n<p>Kemfert warnte au\u00dferdem, dass ein hoher Bedarf an E-Fuels Importe aus politisch problematisch L\u00e4ndern bedeuten w\u00fcrde. Aus dem Publikum erntete sie jedoch daf\u00fcr Widerspruch: Der Exportweltmeister Deutschland mit seinen st\u00e4ndigen Handels\u00fcbersch\u00fcssen m\u00fcsse auch importieren. Nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt der Entwicklungszusammenarbeit k\u00f6nnte der Aufbau von Erzeugungskapazit\u00e4ten sogar w\u00fcnschenswert sein.<\/p>\n<h5>Abgaben, Umlagen und Steuern im Visier<\/h5>\n<p>Kurz- und mittelfristig fordert der SRU als erste Schritte Richtung Klimaschutz einen Umbau der Steuern und Abgaben f\u00fcr Strom und Kraftstoffe. Sie orientierten sich derzeit weder am CO2- noch am Energiegehalt. Strom sei heute im Vergleich zu Diesel, Benzin und Erdgas \u00fcberproportional belastet. Um Rebound-Effekte zu vermeiden \u2013 mehr Verkehrsleistung dank gesunkener Preise \u2013 sollte eine Umschichtung nicht einnahmeneutral ausfallen. Besonders dringend sei der Abbau des Steuerprivilegs f\u00fcr Diesel wegen der Schadstoffe und des Anreizes, immer gr\u00f6\u00dfere und schwerere Pkw zu kaufen. Auch die Privilegierung von Erdgas sollte abgebaut werden. Gegen\u00fcber Benzin gebe es nur 15-20 Prozent CO2-Vorteil, und Methan-Leckage ist besonders klimasch\u00e4dlich.<\/p>\n<p>Extrem kritisch sieht der SRU die heutige Dienstwagenbesteuerung (1-Prozent-Regel), weil damit mehrere \u00f6kologische Nachteile verbunden sind: Die meistens mit Dienstwagen verbundene \u201egoldene Tankkarte\u201c ermuntert zu verst\u00e4rkter Autonutzung, und die volle Abzugsf\u00e4higkeit der Kosten f\u00fcr den Arbeitgeber schafft keinen Anreiz, kleine und sparsame Fahrzeuge zu beschaffen. Der SRU schl\u00e4gt vor, das Dienstwagennutzer den Anteil privater Fahrten entweder pauschaliert oder per Fahrtenbuch belegt als geldwerten Vorteil versteuern m\u00fcssen. F\u00fcr die Arbeitgeber sollte die Abzugsf\u00e4higkeit nach CO2-Aussto\u00df differenziert werden, um so Anreize f\u00fcr den Kauf emissionsarmer Fahrzeuge zu schaffen. Der SRU sieht darin ein Schl\u00fcsselelement f\u00fcr den Umbau der Pkw-Flotte, weil heute fast zwei Drittel aller Neuzulassungen auf gewerbliche Halter entfallen. \u00dcber den Gebrauchtmarkt pr\u00e4gen sie die Flotte \u00fcber Jahre.<\/p>\n<p>Nicht ungeschoren kommt die Entfernungspauschale davon. Sie ermutige zu \u00f6kologisch unerw\u00fcnschten langen Pendelwegen. Au\u00dferdem bevorzuge sie strukturell die Bezieher h\u00f6herer Einkommen. Der SRU schl\u00e4gt daher vor, die Kilometerpauschale deutlich zu senken und stattdessen allen Arbeitnehmern eine gleich hohe Gutschrift auf die Steuerlast zu gew\u00e4hren \u2013 falls eine v\u00f6llige Abschaffung nicht durchsetzbar ist.<\/p>\n<p><b>Externe Links:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.umweltrat.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/02_Sondergutachten\/2016_2020\/2017_11_SG_Klimaschutz_im_Verkehrssektor_KF.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=5\">SRU-Sondergutachten \u2013 Kurzfassung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.umweltrat.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/02_Sondergutachten\/2016_2020\/2017_11_SG_Klimaschutz_im_Verkehrssektor.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=13\">SRU-Sondergutachten \u2013 Langfassung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.umweltrat.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/04_Stellungnahmen\/2016_2020\/2017_11_Praesentation_SG_Klimaschutz_im_Verkehrssektor.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\">Pr\u00e4sentation<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quote als hilfreicher Zwang Absage an Technologieneutralit\u00e4t E-Fuel-Importe strittig Abgaben, Umlagen und Steuern im Visier Der Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen (SRU) fordert in einem neuen Gutachten zum Klimaschutz im Verkehrssektor unter anderem eine Quote f\u00fcr Elektrofahrzeuge. 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