{"id":1932967,"date":"2017-06-20T18:05:11","date_gmt":"2017-06-20T16:05:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verkehrsbrief.de\/?p=1932967"},"modified":"2017-06-20T18:44:42","modified_gmt":"2017-06-20T16:44:42","slug":"ethikkommission-sieht-viele-dilemmata-beim-automatisierten-fahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/?p=1932967","title":{"rendered":"Ethikkommission sieht viele Dilemmata beim automatisierten Fahren"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><strong>Sicherheit gegen Freiheit<\/strong><\/li>\n<li><strong>Dilemmaregeln mit Ausnahmen<\/strong><\/li>\n<li><strong>Staat muss klare Regeln setzen<\/strong><\/li>\n<li><strong>Di Fabio kritisiert indirekt Linke und Gr\u00fcne<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Soll der Staat das hochautomatisierte oder autonome Fahren vorschreiben, wenn sich dadurch die Verkehrssicherheit erh\u00f6hen l\u00e4sst? Das ist eine der Kernfragen in dem am Dienstag ver\u00f6ffentlichten Bericht der vom BMVI eingesetzten Ethikkommission. <!--more-->Falls ein positiver Beitrag zur Verkehrssicherheit erkennbar sei, m\u00fcsse der Gesetzgeber handeln, sagte der Kommissionsvorsitzende Prof. Udo Di Fabio bei der Vorstellung des Berichts im BMVI.<\/p>\n<h5>Sicherheit gegen Freiheit<\/h5>\n<p>\u201eDie Einf\u00fchrung h\u00f6herer automatisierter Fahrsysteme insbesondere mit der M\u00f6glichkeit automatisierter Kollisionsvermeidung kann gesellschaftlich und ethisch geboten sein, wenn damit vorhandene Potentiale der Schadensminderung genutzt werden k\u00f6nnen\u201c, hei\u00dft in den 20 Thesen. \u201eUmgekehrt ist eine gesetzlich auferlegte Pflicht zur Nutzung vollautomatisierter Verkehrssysteme oder die Herbeif\u00fchrung einer praktischen Unentrinnbarkeit ethisch bedenklich, wenn damit die Unterwerfung unter technische Imperative verbunden ist.\u201c Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt interpretierte das so, dass die Regierung das hochautomatisierte Fahren weder zur Pflicht machen noch es verbieten solle, aber es erm\u00f6glichen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Auch spricht sich die Kommission dagegen aus, dem \u201eFahrer\u201c die Benutzung von vorhandenen Automatisierungsfunktionen vorzuschreiben, auch wenn dadurch die Verkehrssicherheit erh\u00f6ht wird. Eine Verabsolutierung von Sicherheit k\u00f6nne trotz ihrer unbestreitbar guten Zwecke die Grundlage einer humanen, freiheitlichen Gesellschaft untergraben.<\/p>\n<p>Einm\u00fctig zeigte sich die Kommission jedoch, dass in allererster Linie der Gewinn an Verkehrssicherheit f\u00fcr alle Beteiligten im Stra\u00dfenverkehr Ziel des hochautomatisierten und autonomen Fahrens sein m\u00fcsse. \u201eDaneben geht es um Steigerung von Mobilit\u00e4tschancen und die Erm\u00f6glichung weiterer Vorteil.<\/p>\n<h5>Dilemmaregeln mit Ausnahmen<\/h5>\n<p>In der vor allem medial gef\u00fchrten Debatte \u00fcber Dilemmasituationen spricht sich die Kommission im Prinzip gegen jede Qualifizierung und Quantifizierung von Menschenleben gegeneinander aus. Eine Schadensminimierung mit dem Ziel, die Zahl der Opfer zu mindern, k\u00f6nne jedoch vertretbar sein. Hier habe die Kommission ihre Diskussion \u201enoch nicht befriedigend und auch nicht in jeder Hinsicht konsensual\u201c zu Ende gef\u00fchrt. \u201eGrunds\u00e4tzlich gilt jedoch, dass die an Mobilit\u00e4tsrisiken Beteiligten nicht Unbeteiligte opfern d\u00fcrfen.\u201c Im Zweifelsfall d\u00fcrfen also Fahrzeuginsassen gegen\u00fcber Fu\u00dfg\u00e4ngern \u201egeopfert\u201c werden. Unstrittig ist auch, dass Sachsch\u00e4den gegen\u00fcber Personensch\u00e4den vorzuziehen sind.<\/p>\n<h5><strong>Staat muss Regeln setzen<\/strong><\/h5>\n<p>Handlungsbedarf f\u00fcr den Gesetzgeber sieht die Kommission noch in folgenden weiteren Punkten:<\/p>\n<ul>\n<li>Er muss einen Ausgleich zwischen der f\u00fcr die funktionale Sicherheit erforderlichen Datensammlung und der informationellen Selbstbestimmung finden. Dabei m\u00fcssten auch die Begehrlichkeiten von Sicherheitsbeh\u00f6rden und Wirtschaftsunternehmen in den Blick genommen werden. \u201eInformationelle Selbstbestimmung\u201c beinhalte aber auch, dass der Nutzer freiwillig Daten herausgeben darf. Denkbar sei auch, dass der Staat die Nutzung automatischer Fahrfunktionen nur dann zul\u00e4sst, wenn der Fahrzeug wenigstens die f\u00fcr den sicheren Betrieb erforderlichen Daten pseudonymisiert preisgibt.<\/li>\n<li>Die Kommission sieht den Schutzauftrag zur Gew\u00e4hrleistung der Integrit\u00e4t von digitalen Fahrsystem gegen Ausfall und Hackerangriffe beim Staat.<\/li>\n<li>Unter staatlicher Obhut sollte ein herstelleroffener \u201eSzenarienkatalog\u201c eingerichtet werden, in denen solche Gefahrensituationen eingespeist werden, in denen es zu Fehlwahrnehmungen und Fehlverhalten des Systems gekommen ist. Anhand dieser Daten k\u00f6nnten dann die Hersteller ihre Systeme besser trainieren.<\/li>\n<li>Selbstlernende Systeme sollten f\u00fcr sicherheitskritische Funktionen ausgeschlossen werden. Sonst w\u00fcrde die Gefahr entstehen, dass sich die Wissensbasis der individuellen Fahrzeuge selbst bei identischer Herstellersoftware mit zunehmendem Betrieb unterscheidet.<\/li>\n<li>Auf internationaler Ebene sollte die \u00dcbergabe vom manuellen zum automatisierten Fahrmodus standardisiert werden; au\u00dferdem sollte das Fahrzeugverhalten f\u00fcr den Fall vereinheitlicht werden, dass das System versagt oder der Fahrer trotz Aufforderung nicht \u00fcbernimmt und das Fahrzeug in einen \u201esicheren Zustand\u201c gebracht werden muss.<\/li>\n<\/ul>\n<h5>Di Fabio kritisiert indirekt Linke und Gr\u00fcne<\/h5>\n<p>Den Vorwurf der Oppositionsparteien, das BMVI h\u00e4tte mit seiner Novelle des Stra\u00dfenverkehrsgesetzes (StVG) zum hochautomatisierten Fahren bis zur Vorlage des Kommissionsberichts warten sollen, wies Di Fabio indirekt zur\u00fcck: Es sei bei der Arbeit der Kommission um die Automatisierungsstufen 4 und 5 gegangen, die jetzt noch nicht zur Verf\u00fcgung stehen. (roe)<\/p>\n<p><b>Externer Link:<\/b> <a href=\"http:\/\/www.bmvi.de\/SharedDocs\/DE\/Anlage\/G\/bericht-ethik-kommission-af.pdf?__blob=publicationFile\">Bericht der Ethikkommission<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sicherheit gegen Freiheit Dilemmaregeln mit Ausnahmen Staat muss klare Regeln setzen Di Fabio kritisiert indirekt Linke und Gr\u00fcne Soll der Staat das hochautomatisierte oder autonome Fahren vorschreiben, wenn sich dadurch die Verkehrssicherheit erh\u00f6hen l\u00e4sst? 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