{"id":1791933,"date":"2016-05-09T20:35:00","date_gmt":"2016-05-09T20:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verkehrsbrief.de\/analyse-klimaschutzplan-2050-dokumentiert-ratlosigkeit"},"modified":"2016-05-09T20:35:00","modified_gmt":"2016-05-09T20:35:00","slug":"analyse-klimaschutzplan-2050-dokumentiert-ratlosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/?p=1791933","title":{"rendered":"ANALYSE: Klimaschutzplan 2050 dokumentiert Ratlosigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Von einer \u201eBlaupause f\u00fcr die Deindustrialisierung Deutschlands\u201c wird in Wirtschaftsverb\u00e4nden gesprochen, wenn die Sprache auf Entwurf f\u00fcr den Klimaschutzplan 2050 kommt, der in der vergangenen Woche aus dem Bundesumweltministerium (BMUB) durchgestochen wurde. Tats\u00e4chlich dokumentiert das Papier zumindest f\u00fcr den Bereich Verkehr, dass auch das BMUB im Grunde ratlos ist, wie die in Paris vereinbarte Klimawende in diesem Sektor umgesetzt werden kann.<\/p>\n<p>Wirklich konkret wird es nur dann, wenn die Tonnenziele f\u00fcr die Meilensteinjahr 2020, 2030 und 2050 beziffert werden: Das sind 137 Mio. t CO2-\u00c4quivalente f\u00fcr 2020, 90-100 Mio. t f\u00fcr 2030 und f\u00fcr 2050 eine fast vollst\u00e4ndige Unabh\u00e4ngigkeit von fossilen Kraftstoffen. Aktuell ist der Verkehr f\u00fcr rund 160 Mio. t verantwortlich.<\/p>\n<h5>Zwischenziel 2020: Hausaufgaben werden als \u201eerledigt\u201c unterstellt<\/h5>\n<p>Um den Meilenstein 2020 zu erreichen, setzt das BMUB auf eine \u201ez\u00fcgige und sehr ambitionierte Umsetzung der bisher beschlossenen Klimaschutzma\u00dfnahmen \u2013 einschlie\u00dflich der des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 und des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz\u201c. Tats\u00e4chlich l\u00e4sst die Umsetzung des im Dezember 2014 verabschiedeten Aktionsprogramms Klimaschutz auf sich warten:<\/p>\n<ul>\n<li>Von der f\u00fcr 2016 versprochenen F\u00f6rderung von Hybrid-Lkw ist nichts zu sehen<\/li>\n<li>Die Lkw-Mauts\u00e4tze sollen laut Gesetzentwurf des BMVI auch ab 2018 nicht nach dem Verbrauch gestaffelt werden<\/li>\n<li>Das Carsharing-Gesetz ist noch weit von der Verabschiedung entfernt<\/li>\n<li>Die Landstromversorgung von Schiffen wird bis heute durch die EEG-Umlage konterkariert<\/li>\n<li>Dass ein Ausbau der Schiene f\u00fcr den G\u00fcterverkehr angesichts der heutigen Planungsvorl\u00e4ufe schon 2020 CO2-Einsparungen bringt, sollte schon damals niemand wirklich erwartet haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zus\u00e4tzliche Erschwernis f\u00fcr die Verlagerung von der CO2-lastigen Stra\u00dfe auf andere Verkehrstr\u00e4ger bedeuten die damals nicht erwarteten niedrigen Roh\u00f6lpreise.<\/p>\n<h5>Zwischenziel 2030: Hauptlast tr\u00e4gt die Stra\u00dfe<\/h5>\n<p>Bis sp\u00e4testens Sommer 2017 soll die Regierung ein Konzept zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen des Stra\u00dfenverkehrs bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegen\u00fcber 2005 vorlegen.<\/p>\n<p>F\u00fcr dieses Zwischenziel m\u00fcssen nach Einsch\u00e4tzung des BMUB die Emissionen des Pkw je Fahrzeugkilometer um 45 Prozent gegen\u00fcber 2010 sinken, beim Lkw um 53 Prozent. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit einer Verbrauchssenkung: \u201eDie notwendige THG-Minderung des Stra\u00dfenverkehrs wird dabei durch die Kombination aus der Effizienzsteigerung der Fahrzeuge und dem verst\u00e4rkten Einsatz THG-neutraler Energie erreicht.\u201c &#8211; also zum Beispiel aus Gr\u00fcnstrom. Verwiesen wird auf die Plug-In-Hybride. Anekdotische Evidenz aus Kreisen von Firmenwagennutzern l\u00e4sst allerdings vermuten, dass die Plug-in-Hybrid-Pkw aus Bequemlichkeitsgr\u00fcnden derzeit \u00fcberwiegend im Verbrennermodus betrieben werden.<\/p>\n<h5>Dieselprivilegien im Visier<\/h5>\n<p>Bei Einschluss der Plug-In-Hybride gehe die Bundesregierung davon aus, dass das Ziel von sechs Millionen Elektrofahrzeugen im Jahr 2030 \u201edeutlich \u00fcbertroffen\u201c werde \u2013 sechs Millionen sind aber nur rund ein Siebtel des deutschen Pkw-Bestandes. Um den Umstieg auf Elektroantrieb haushaltsneutral st\u00fctzen zu k\u00f6nnen, will das BMUB die Steuerprivilegien f\u00fcr Diesel schrittweise abschaffen.<\/p>\n<h5>EEG-Umlage f\u00fcr Bahnen vor dem Aus?<\/h5>\n<p>Ebenfalls bis Sommer 2017 soll die Regierung ein Konzept zur Umgestaltung aller Abgaben und Umlagen im Verkehr vorlegen. Ziel sind Anreize f\u00fcr die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel und Strom aus erneuerbaren Energien. Die ausdr\u00fcckliche Erw\u00e4hnung des Wortes \u201eUmlagen\u201c d\u00fcrfte im Bahnsektor Hoffnung keimen lassen, dass die EEG-Umlage f\u00fcr elektrische Schienenbahnen f\u00e4llt.<\/p>\n<h5>Bringt das BMUB den Lang-Lkw auf die Tagesordnung?<\/h5>\n<p>F\u00fcr schwere Lkw auf konventioneller Basis \u2013 allerdings schon unter Einschluss von Hybridisierung &#8211; sieht das BMUB noch ein Potenzial von 30 Prozent Effizienzsteigerung bis 2030. Unter den aufgef\u00fchrten Optionen wird auch eine \u201eAnpassung der Fahrzeugl\u00e4nge\u201c genannt \u2013 ob damit der Lang-Lkw gemeint ist, bleibt offen. Langfristig ben\u00f6tige aber auch der schwere Lkw elektrische Antriebe. \u201eDiese werden derzeit schon bei schweren Nutzfahrzeugen im regionalen Lieferverkehr erprobt.\u201c Dass ausgerechnet die gro\u00dfen Lkw-Hersteller bei diesem Thema kein Engagement zeigen, wird nicht erw\u00e4hnt.<\/p>\n<h5>Bundesmobilit\u00e4tsplan statt BVWP<\/h5>\n<p>Als Pr\u00fcfauftrag formuliert das BMUB einen verkehrstr\u00e4ger\u00fcbergreifenden \u201eBundesmobilit\u00e4tsplan\u201c, der dann auch Luftverkehrskonzept, Nationales Hafenkonzept und Aktionsplan G\u00fcterverkehr integriert. Die B\u00fcrger sollten \u201eangemessen informiert und beteiligt werden\u201c &#8211; eine eindeutige Spitze des BMUB gegen die \u00d6ffentlichkeitsbeteiligung beim BVWP. Der \u201eBundesmobilit\u00e4tsplan\u201c tr\u00e4gt eindeutig die Z\u00fcge des von den Gr\u00fcnen propagierten \u201eBundesnetzplans\u201c.<\/p>\n<h5>\u201eLeitbild 2050\u201c: Ein Baustein ist Verkehrsverminderung<\/h5>\n<p>Das Ziel der ann\u00e4hernden Treibhausgasneutralit\u00e4t 2050 soll nach Vorstellungen des BMUB zu einem Teil durch Verkehrsverminderung erreicht werden. Dazu sollen zum Beispiel Wohnen und Arbeiten n\u00e4her zusammenr\u00fccken, es wird mehr von zu Hause aus gearbeitet, und k\u00fcrzere Wege in verdichteten St\u00e4dten erleichtern das Umsteigen auf Rad- und Fu\u00dfverkehr. Dann hei\u00dft es jedoch : \u201eIm Bereich der Logistik sind Prozesse weiter optimiert und somit die Zahl der notwendigen Transporte verringert worden.\u201c Wie das angesichts von E-Commerce und der sonstigen Atomisierung der Sendungsgr\u00f6\u00dfen funktionieren soll, wird nicht weiter ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<h5>Vollst\u00e4ndige Elektrifizierung angestrebt<\/h5>\n<p>Einen weiteren Beitrag zur Emissionsminderung erhofft sich das BMUB von einer Umstellung der Energiebasis. \u201eDie Energieversorgung des Stra\u00dfen- und Schienenverkehrs sowie Teile des Luft- und Schiffverkehrs sind weitgehend auf Strom aus erneuerbaren Energien umgestellt. So ist es m\u00f6glich, auch lange Strecken, die weiterhin motorisierte Verkehrsmittel erfordern, ohne energiebedingte Treibhausgasemissionen zur\u00fcckzulegen.\u201c Dort, wo Strom nicht direkt im Verkehrsmittel verwendet kann, wird er zur Herstellung von Wasserstoff f\u00fcr Brennstoffzellen oder zur Herstellung von Fl\u00fcssigkraftstoffen (\u201ePower to Liquid\u201c) verwendet.\u00a0<\/p>\n<p>Ausgeklammert wird offenbar die Frage, wie mit dem zum Teil wesentlich h\u00f6heren Energieaufwand f\u00fcr die Herstellung \u201eklimafreundlicher\u201c Verkehrsmittel umgegangen werden soll. F\u00fcr einen Tesla S werden laut einer Modellrechnung (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/debatte\/article155022870\/Tesla-der-grosse-Umweltsuender.html\">Welt<\/a> vom 4.5.2016) bei Herstellung und Au\u00dferbetriebnahme 21t CO2 veranschlagt, f\u00fcr einen vergleichbaren Verbrenner 7t. (roe)<\/p>\n<p>(roe)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einer \u201eBlaupause f\u00fcr die Deindustrialisierung Deutschlands\u201c wird in Wirtschaftsverb\u00e4nden gesprochen, wenn die Sprache auf Entwurf f\u00fcr den Klimaschutzplan 2050 kommt, der in der vergangenen Woche aus dem Bundesumweltministerium (BMUB) durchgestochen wurde. 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