{"id":1765963,"date":"2016-02-22T18:06:00","date_gmt":"2016-02-22T18:06:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verkehrsbrief.de\/nur-gebremste-begeisterung-fur-opnv-zum-nulltarif"},"modified":"2016-02-22T18:06:00","modified_gmt":"2016-02-22T18:06:00","slug":"nur-gebremste-begeisterung-fur-opnv-zum-nulltarif","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/?p=1765963","title":{"rendered":"Nur gebremste Begeisterung f\u00fcr \u00d6PNV zum Nulltarif"},"content":{"rendered":"<\/p>\n<ul><\/p>\n<li><strong>Widerspr\u00fcchliche Daten zur Verlagerung vom Pkw<\/strong><\/li>\n<p><\/p>\n<li><strong>Grundsatzbedenken wegen Fehlanreizen<\/strong><\/li>\n<p><\/p>\n<li><strong>Hohe Mehrkosten bef\u00fcrchtet<\/strong><\/li>\n<p><\/p>\n<li><strong>MDV l\u00e4sst zus\u00e4tzliche Finanzierungsmodelle pr\u00fcfen<\/strong><\/li>\n<p><\/ul>\n<p>Gr\u00fcne Verkehrspolitiker, Wissenschaft und Praktiker sind sich weiter uneins, welchen Beitrag ein \u00d6PNV zum Nulltarif oder \u201eB\u00fcrgertickets\u201c zur Verkehrs- und Klimawende leisten k\u00f6nnte. Das wurde am Montag bei einem Fachgespr\u00e4ch der Gr\u00fcnen-Fraktion im Bundestag deutlich.<!--more--><\/p>\n<h5><strong>Widerspr\u00fcchliche Daten zur Verlagerung vom Pkw<br \/><\/strong><\/h5>\n<p>Gregor Waluga vom Wuppertal-Institut f\u00fcr Klima, Umwelt und Energie pr\u00e4sentierte die Ergebnisse einer Studie, bei der mit 14 nicht eingeweihten Probanden die Wirkung von kostenlosem \u00d6PNV untersucht wurden. Danach sind die Versuchsteilnehmer deutlich weniger mit dem Auto und mehr mit dem \u00d6PNV unterwegs gewesen. Der Anteil der zus\u00e4tzlichen Verkehrs (\u201einduzierter Verkehr\u201c) sei gering gewesen. Rainer Metz vom VDV wies allerdings darauf hin, dass Langzeiterfahrungen aus dem belgischen Hasselt sowie Templin und K\u00f6then darauf hindeuteten, dass der kostenlose \u00d6PNV vor allem im Kurzstreckenbereich genutzt werde, auch Fu\u00dfg\u00e4nger- und Radverkehr kannibalisiere und au\u00dferdem eine stark wetterabh\u00e4ngige Nachfrage aufweise.<\/p>\n<h5>Grundsatzbedenken wegen Fehlanreizen<\/h5>\n<p>Grunds\u00e4tzliche Bedenken machte der Unternehmensberater Gerhard Probst geltend: Kostenloser \u00d6PNV f\u00f6rdere die Zersiedelung. Probst wie auch der VCD-Bundesvorsitzende Michael Ziesak und Arkan Ok von den Berliner Verkehrsbetrieben bef\u00fcrchten zudem, dass bei einem \u00d6PNV zum Nulltarif der Anreiz f\u00fcr die Unternehmen wegfalle, ein ordentliches Angebot zu bieten.<\/p>\n<h5>Hohe Mehrkosten bef\u00fcrchtet<\/h5>\n<p>Unisono wurde darauf hingewiesen, dass der \u00d6PNV in den Ballungsr\u00e4umen in den Tagesspitzenzeiten ohnehin schon bis zum Anschlag ausgelastet sei. Metz verwies auf eine Modellrechnung des VDV, wonach bundesweiter \u00d6PNV zum Nulltarif einen Fahrgastzuwachs von 30 Prozent und Mehrkosten f\u00fcr den Betrieb von 12 Mrd. EUR bedeuten w\u00fcrde. Hinzu k\u00e4men nicht seri\u00f6s bezifferbare Investitionen in Milliardenh\u00f6he \u2013 erinnert wurde an den 2. Stammstreckentunnel in M\u00fcnchen, der aktuell mit 3 Mrd. EUR veranschlagt wird. Metz sprach davon, dass kostenloser \u00d6PNV eher eine Frage von Teilhabe und Sozialpolitik sei, weniger von Verkehrs- und Umweltpolitik.<\/p>\n<h5>MDV l\u00e4sst zus\u00e4tzliche Finanzierungsmodelle pr\u00fcfen<\/h5>\n<p>Vier Finanzierungsmodelle au\u00dferhalb von direkten staatlichen Zusch\u00fcssen und Fahrgeldeinnahmen l\u00e4sst derzeit der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) untersuchen. Voraussetzung f\u00fcr die Auswahl war laut MDV-Fachbereichsleiter Dirk Schadewaldt, dass sie dauerhaft sind, ohne Bundesbeteiligung auskommen und MDV-weit umsetzbar sind:<\/p>\n<ul><\/p>\n<li>Anhebung der Grundsteuer zugunsten des \u00d6PNV: Vorteil ist vorhandener Erhebungsweg, Risiken ergeben sich aus dem Non-Affektationsprinzip (Zweckbindung ist bei Steuern eigentlich unzul\u00e4ssig) und Verschlechterung der Standortattraktivit\u00e4t<\/li>\n<p><\/p>\n<li>Ein \u00d6V-Beitrag je Wohneinheit oder Fl\u00e4che \u00e4hnlich zu Erschlie\u00dfungsbeitr\u00e4gen: Vorteil ist die sichere Zweckbindung, Risiko ist, dass der B\u00fcrger einen messbaren Nutzen verlangen darf<\/li>\n<p><\/p>\n<li>Ein \u201eB\u00fcrgerticket\u201c, das alle Ortsans\u00e4ssigen zwangsweise erwerben m\u00fcssen: Offen ist, welcher Kreis das B\u00fcrgerticket kaufen muss. Au\u00dferdem muss die Vertriebsinfrastruktur erhalten bleiben.<\/li>\n<p><\/p>\n<li>Eine \u00d6PNV-Taxe f\u00fcr ausw\u00e4rtige Besucher: Nur in den Gro\u00dfst\u00e4dten sind signifikante Einnahmen zu erwarten.<\/li>\n<p><\/ul>\n<p>Metz mahnte an, sich zun\u00e4chst f\u00fcr eine Aufstockung des GVFG-Bundesprogramms und eine Fortf\u00fchrung der Entflechtungsmittel f\u00fcr den Verkehr einzusetzen, wenn es um Dekarbonisierung des Verkehrs gehe. (roe)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Widerspr\u00fcchliche Daten zur Verlagerung vom Pkw Grundsatzbedenken wegen Fehlanreizen Hohe Mehrkosten bef\u00fcrchtet MDV l\u00e4sst zus\u00e4tzliche Finanzierungsmodelle pr\u00fcfen Gr\u00fcne Verkehrspolitiker, Wissenschaft und Praktiker sind sich weiter uneins, welchen Beitrag ein \u00d6PNV zum Nulltarif oder \u201eB\u00fcrgertickets\u201c zur Verkehrs- und Klimawende leisten k\u00f6nnte. 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