{"id":1026,"date":"2015-05-29T13:11:40","date_gmt":"2015-05-29T11:11:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verkehrsbrief.de\/meinung-mobilitat-4-0-lasst-uber-schon-wieder-alt-aussehen"},"modified":"2015-05-29T13:11:40","modified_gmt":"2015-05-29T11:11:40","slug":"meinung-mobilitat-4-0-lasst-uber-schon-wieder-alt-aussehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verkehrsbrief.de\/?p=1026","title":{"rendered":"MEINUNG: Mobilit\u00e4t 4.0 l\u00e4sst Uber schon wieder alt aussehen"},"content":{"rendered":"<p>Ein Taxigewerbe, das in Uber seinen Hauptfeind zu erkennen glaubt, hat den Schuss nicht geh\u00f6rt. Das ist jedenfalls der Eindruck, der auf dem Weltverkehrsforum in Leipzig vermittelt wurde. Mobilit\u00e4t 4.0 bedeutet n\u00e4mlich autonomes Fahren. Eine noch so smarte Mitfahrervermittlung erscheint dagegen geradezu \u201eoldschool\u201c.<!--more--> Sofern Uber sein Gesch\u00e4ftsmodell nicht auf diese Entwicklung einstellen kann, werden die Marktaufmischer aus den USA bestenfalls als Mobilit\u00e4t 3.0 in die Geschichte eingehen.<\/p>\n<h5>Autonomes Fahren wird schneller serientauglich als gedacht<\/h5>\n<p>Fast unvorstellbar rasant hat der Reifegrad des autonomen Fahrens in den vergangenen f\u00fcnf Jahren zugenommen. \u201eFr\u00fcher\u201c ben\u00f6tigten die vermeintlichen autonom agierenden Fahrzeuge noch Unterst\u00fctzung von der Infrastruktur \u2013 sei es zur Verkehrszeichenerkennung oder zum Halten der Spur. Heute kann sich der Technologietr\u00e4ger Google-Car selbstst\u00e4ndig in unpr\u00e4pariertem Territorium bewegen. Es bedarf keiner ausgepr\u00e4gten hellseherischen F\u00e4higkeit, um zu prophezeien, dass das autonome Fahren eher in f\u00fcnf als in zehn Jahren serienreif ist. Noch ist das Google-Car auf umgerechnet 45 km\/h beschr\u00e4nkt, aber das ist wohl eher durch die mangelnde Crashtauglichkeit des Fahrzeugs bedingt.<\/p>\n<p>Dass ein Fahrzeug \u00fcberhaupt noch crashtauglich sein muss, ist \u2013 wenn man der von Google gelieferten <a href=\"http:\/\/www.autobild.de\/artikel\/autonomes-google-auto-unfallbilanz-5757212.html\" target=\"_blank\">Unfallbilanz<\/a> glaubt &#8211; der Interaktion mit menschengesteuerten Fahrzeugen geschuldet. Die Zeiten, in denen Maschinen beim Steuern von Fahrzeugen mehr Fehler machten als Menschen, gehen rasant dem Ende entgegen. \u201eAutonome Fahrzeuge betrinken sich nicht, und sie werden auch nicht m\u00fcde\u201c, hob eine Vertreterin des Google-Car-Projektes in Leipzig hervor. Nat\u00fcrlich w\u00fcrden auch zuk\u00fcnftig Unf\u00e4lle passieren, und mit einer zunehmenden Zahl autonomer Fahrzeuge w\u00fcrde es auch Unf\u00e4lle mit Verschulden auf Fahrzeugseite geben. Aber man m\u00fcsse die Dinge in die richtige Perspektive r\u00fccken: Heute gibt es weltweit t\u00e4glich \u00fcber 3000 Tote im Stra\u00dfenverkehr. In den entwickelten L\u00e4ndern ist menschliches Versagen im weitesten Sinne die Hauptunfallursache.<\/p>\n<h5>Das Rechtssystem ist unvorbereitet<\/h5>\n<p>Doch was aus dieser Vogelperspektive noch plausibel und akzeptabel scheint, wird bei einer Einzelfallbetrachtung problematisch. Und um Einzelf\u00e4lle geht es, wenn vor Gericht \u00fcber Schuldfrage, Schadenersatz und Schmerzensgeld gestritten wird. Dort interessiert nicht, wieviele Unf\u00e4lle durch autonomes Fahren vermieden werden konnten. Sondern: Ist der Softwareprogrammierer schuld? Oder der Fahrzeughersteller, der mangelhafte Software eingebaut hat? Oder der \u201eFahrer\u201c, der bei der Auswahl seines Fahrzeugs nicht sorgf\u00e4ltig genug war? Oder ist der \u201eFahrer\u201c ohnehin immer schuld, weil er mit dem Ingangsetzen des Fahrzeugs die Betriebsgefahr ausgel\u00f6st hat?<\/p>\n<p>Auch ethische Fragen sind zu kl\u00e4ren: Beispiel: Ein Kinderwagen rollt auf die Stra\u00dfe und das herannahende Auto hat nur die Alternative, entweder den Kinderwagen zu \u00fcberrollen oder in den Gegenverkehr auszuweichen und damit zwei \u201eFahrer\u201c schwer zu verletzen oder gar zu t\u00f6ten. Unser Rechtssystem kann mit menschlichen Entscheidungen in derartigen Dilemmas umgehen. Aber wie geht es mit Maschinenentscheidungen um?<\/p>\n<p>Der Gesetzgeber muss darauf schnell Antworten finden, denn wenn sich die Fahrzeughersteller mit der Gefahr von US-Sammelklagen konfrontiert sehen, ist das autonome Fahren gestorben, bevor es in Gang gekommen ist. F\u00fcr die Gesamtbilanz der Verkehrssicherheit w\u00e4re das schlecht. (roe)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Taxigewerbe, das in Uber seinen Hauptfeind zu erkennen glaubt, hat den Schuss nicht geh\u00f6rt. Das ist jedenfalls der Eindruck, der auf dem Weltverkehrsforum in Leipzig vermittelt wurde. Mobilit\u00e4t 4.0 bedeutet n\u00e4mlich autonomes Fahren. 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