Bund sieht O-Bus nicht als Element der Strategie für E-Mobilität

Die Bundesregierung hält Oberleitungs-Busse – auch mit Hybridoption für Strecken ohne Fahrdraht – im Rahmen ihrer Förderung der Elektromobilität offenbar nicht für förderwürdig. Die Förderung von Elektrobussen durch das Umweltministerium ziele auf die Einführung marktfähiger Fahrzeuge, heißt in der Antwort des BMVI auf eine Kleine Anfrage der Grünen. „Bei Oberleitungsbussen ist eine Breitenanwendung über die bestehenden Bussysteme in Eberswalde, Esslingen und Solingen hinaus zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar.“ Die Voraussetzung für eine Berücksichtigung entsprechender Fahrzeuge im Rahmen der Förderung des BMU lägen daher nicht vor.

Einzig in Hybrid-Oberleitungsbussen sieht das BMVI „eine marktreife Option zur Elektrifizierung des städtischen Busverkehrs“. Hybrid-Obusse verfügen über eine zusätzliche Elektrobatterie, um auch auf Strecken ohne Fahrdraht fahren zu können. Sie könnten im Rahmen von Pilotprojekten gefördert werden. Tatsächlich wird aktuiell nur ein derartiges Projekt gefördert, und zwar in Solingen. Die Hybrid-Oberleitungsbusse in Esslingen (siehe hier) werden nur aus Landesmitteln gefördert.

Fragen wirft ein Vergleich des BMVI zu den Anschaffungskosten für die verschiedene Bus-Antriebsoptionen auf. Danach soll ein Oberleitungs-Gelenkbus 750.000 bis 950.000 EUR kosten. Laut tschechischen Medienberichten hat das südmährische Zlin 2013 für seine O-Busse von Solaris/Skoda umgerechnet 560.000 EUR bezahlt, Pardubice 2017 für 15m-Busse vom selben Hersteller 400.000 EUR.

Auch die vom BMVI genannten Preise für Hybrid-Oberleitungsbusse erscheinen fragwürdig. Pilsen 2018 bei einer Ausschreibung neuer Oberleitungs-Gelenkbusse den Zuschlag für umgerechnet 670.000 EUR/Fahrzeug an Solaris/Skoda erteilt. Allerdings ist auch die Lebensdauer von O-Bussen mit 20 Jahren deutlich höher als beim Diesel-Gelenkbus, wo zwölf bis 15 Jahre gängig sind.

Der Grünen-Verkehrsexperte Stefan Gelbhaar zeigte sich gegenüber dem Verkehrsbrief enttäuscht. „Die Antworten der Bundesregierung auf unsere Anfrage sind ernüchternd“, erklärte er. „Die Bundesregierung bekennt sich stets wortreich zu Technologieoffenheit. Aber an ihren Taten wird deutlich, dass aus den Bekenntnissen nichts folgt. Nicht anders sind die klaren Absagen der Bundesregierung an die Förderung von Oberleitungs-Bussen sowie Hybrid-O-Bussen zu deuten.“ Diese Systeme hätten sich schon vor hundert Jahren bewährt, bis sie durch den Dieselbus an vielen Stellen ersetzt wurden. In vielen anderen Ländern würden O-Busse bis heute genutzt und weiter ausgebaut. „Einen belastbaren Grund, diese Systeme grundsätzlich von der Förderung auszuschließen, kann die Bundesregierung nicht nennen. Darüber hinaus ist dies eine aktive Benachteiligung der wenigen Städte in der Bundesrepublik, die diese Systeme verwenden und auf einen Hilfe beim Ausbau nicht hoffen können.“ (roe)

Externer Link: Antwort auf Kleine Anfrage der Grünen zu O-Bussen