Auch mit Neubaustrecke Dresden-Prag nur wenig Fernverkehr

  • Zweifel an Verlagerung der Güterzüge
  • Keine Alternative in Sicht

Die sächsische Landesregierung erwartet auch bei Inbetriebnahme der für bis zu 230km/h ausgelegten Neubaustrecke Dresden-Prag keine nennenswerte Ausweitung des Schienenpersonenfernverkehrs gegenüber dem Ist-Zustand. In dem von ihr beauftragten Gutachten seien 16 Züge pro Tag unterstellt, heißt es in der Antwort auf eine Große Anfrage der Grünen im Landtag. Derzeit sind es 14 (Zweistundentakt). In einer frühen Fahrplanstudie war die DB noch von 32 Zügen ausgegegangen (Stundentakt).

Rein rechnerisch können auf der Strecke durch das Elbtal pro Tag und Richtung rund 160 Züge verkehren. Aktuell sind es 120. Die Strecke ist tagsüber zu rund 80 Prozent ausgelastet – vor allem durch den SPNV, nachts (22 bis 6 Uhr) rund zur Hälfte. Deshalb findet der Güterverkehr im Nadelöhr Pirna-Bad Schandau (-CZ) zu 40 Prozent in den Nachtstunden statt. Pro Tag verkehren rund 75 Güterzüge.

Zweifel an Verlagerung der Güterzüge

Die rechnerische Kapazität auf der Neubaustrecke wird auf 144 Züge pro Tag geschätzt. Wieviel davon vom Güterverkehr genutzt wird, hänge vom künftigen Aufkommen ab. Das Ministerium geht davon aus, dass wegen der kürzeren Entfernung und Fahrzeit ein Großteil des Güterverkehrs aus dem lärmgeplagten Elbtal auf die Neubaustrecke abwandert. „Darüber hinaus gehende Maßnahmen wie beispielsweise Streckensperrungen im Elbtal ab/bis zu einer bestimmten Tonnage sind eigenverantwortlich durch den lnfrastrukturbetreiber zu entscheiden.“

Die Grünen bezweifeln jedoch in ihrer am Freitag vorgelegten Analyse, dass viel Güterverkehr abwandert. Mit 12,5 Promille Steigung sei die Strecke zu steil, um Züge über 2000t Gesamtgewicht fahren zu können. Falls eine betriebliche Überholung im künftigen Überholbahnhof Goes nötig wird, reduziere sich das Gewicht sogar auf 1800t.

Keine Alternative in Sicht

Den indirekt vorgetragenen Vorschlag, statt der Neubaustrecke die Bestandsstrecke über Plauen und Bad Brambach (-CZ) auszubauen, lehnt die Landesregierung ab. Diese Strecke sei kein EU-Korridor, weswegen sie auch nicht förderfähig ist. In doppeltem Maß gilt das für die seit 1945 unterbrochene Bahnstrecke von Freiberg über Moldava/Moldau nach Most/Brüx. Dort komme noch eine schwierige Topographie hinzu. In Dubi/Eichwald müssen die Züge wegen der starken Steigung Kopf machen. Im übrigen hätten 85 Prozent des Güterverkehrs durch das Elbtal ihr Ziel im Großraum Prag. Dafür sei der elbnahe Korridor die kürzeste Verbindung. (roe)

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