Hoffnungen auf weniger Paketlieferwagen durch „Citylogistik“ unrealistisch

  • Mengen wachsen auch in Zukunft stürmisch weiter
  • E-Lkw gerne – wenn es sie gäbe

Bürger und Kommunen sollten sich keine Hoffnung machen, dass sich die Flut von Paketlieferfahrzeugen in den Ballungsräumen durch Bündelung verringern lässt. Wenn in einer Straße fünf Lieferwagen verschiedener Unternehmen stehen, „dann sind die fünf Fahrzeuge voll“, sagte der Unternehmensberater Klaus Esser bei der Vorstellung der vom Paketverband BIEK beauftragten KEP-Studie 2017. „Das kriegen Sie nicht wegdefiniert.“

BIEK-Geschäftsführer Marten Bosselmann sagte im Gespräch mit dem Verkehrsbrief weiter, wenn man Paketsendungen trotzdem unbedingt bündeln wolle, müssten 7,5t-Lkw eingesetzt werden. Die seien aber wesentlich breiter und geeignet, schmale Wohnstraßen komplett zu blockieren. Ob dem Bürger damit geholfen werde, sei also fraglich. Aus Unternehmenssicht werde der Einsatz von 7,5t-Lkw dadurch erschwert, dass die Zahl der Fahrer, die vom alten Führerschein der Klasse 3 noch die Fahrberechtigung für solche Fahrzeuge mitbringen, stetig schrumpft. Heute ist der Lkw-Führerschein der Klasse C1 erforderlich.

Am Rande der Veranstaltung war allerdings auch zu hören, dass demnächst in Zusammenarbeit mit dem Weltpostverein eine wesentliche Voraussetzung für Bündelung von Paketsendungen demnächst geschaffen wird – nämlich eine weltweit einheitliche Sendungsnummer.

Mengen wachsen auch in Zukunft stürmisch weiter

Laut KEP-Studie wird die Zahl der Kurier-, Express- und Paketsendungen bis 2021 gegenüber 2016 um knapp ein Viertel zulegen. Hinzu kommt aber eine Verdreifachung des Auslieferungsvolumen von Waren des täglichen Bedarfs an Privatkunden (z.B. Lebensmittel, Hygieneartikel). Ingesamt steigt die Sendungszahl daher um über 30 Prozent.

E-Lkw gerne – wenn es sie gäbe

Ausgesprochen offen zeigt sich der BIEK für Elektrofahrzeuge. Leider seien kaum geeignete Fahrzeuge auf dem Markt verfügbar; der von der Deutschen Post produzierte „Streetscooter“ sei wegen des geringen Ladevolumens für die BIEK-Mitgliedsunternehmen kaum geeignet. Wünschenswert sei staatliche Unterstützung bei Aufbau der Ladeinfrastruktur in den Depots; vor allem müssten die Stromleitungen so verstärkt werden, dass auch mehrere Dutzend Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden können. (roe)

Externer Link: KEP-Studie 2017