VDV will Bahngüterverkehr produktiver machen

  • Acht-Punkte-Programm vorgestellt
  • Politik soll bei späterer Umsetzung helfen
  • Paralleler Prozess bei CER
  • Skepsis gegenüber ETCS-Level-3-Plänen der DB

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) will den Schienengüterverkehr in Deutschland mit einer „Produktivitätsoffensive“ retten. Politisch bedingte Kostensteigerungen der letzten Zeit hätten die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gegenüber der Straße deutlich verschlechtert, erläuterte Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff am Mittwoch vor Journalisten in Berlin.

Acht-Punkte-Programm vorgestellt

Nach seinen Angaben haben die im Verband organisierten Güterbahnen 33 mögliche Maßnahmen identifiziert und in acht Projekten zusammengefasst. Erste Zwischenergebnisse sollen im April vorgestellt werden.

  • Längere Züge: Durchgängige Fahrbarkeit von zunächst 740m und später bis zu 1500m langen Güterzügen – hier seien Überholgleise und Knoten das größte Problem.
  • Anforderungen an Infrastrukturbetreiber: Bessere Trassenverfügbarkeit und bessere betriebsnahe Infrastruktur (Abstellgleise, Räume für Mitarbeiter, etc.);
  • Wirtschaftlichkeit der Fahrzeuge: Standardisierung, Leichtbau, moderne Diagnosesysteme;
  • Automatisiertes Fahren: Automatisierung des Rangierbetriebs und bei Verteilverkehren auf der „letzten Meile“;
  • Höhere Auslastung: Besserer Informationsaustausch zur Bündelung von Transporten; Einsatz von gemischten Güterzügen (kombinierte Ladung und Wagenladungen) vor allem im Fernverkehr;
  • Elektrifizierung: Möglichst durchgängige Elektrifizierung von der Quelle zum Ziel
  • Multimodalität: Besserer (regionaler) Informationsaustausch zu Umschlagstellen und deren Betreibern; Zusammenführung von kombinierten Verkehren und Wagenladungsverkehren auf der ersten und letzten Meile;
  • Prüf- und Zulassungsverfahren: Abschaffung von unnötigen Doppelprüfungen durch Vertrauensabkommen der nationalen Sicherheitsbehörden.
Politik soll bei späterer Umsetzung helfen

Wolff betonte, dass die Branche die Optimierungsmaßnahmen selbst erarbeiten will und nicht auf den Gesetzgeber wartet. Die politischen Entscheider sollten aber die spätere Umsetzung unterstützen. „Und damit ist nicht nur die finanzielle, sondern vor allem eine strukturelle Unterstützung gemeint: Wir brauchen wieder Rahmenbedingungen in Europa, in denen Schienengüterverkehr wachsen kann und nicht verhindert wird.“

Paralleler Prozess bei CER

Wie Wolff weiter sagte, arbeite auch beim europäischen Eisenbahnverband CER derzeit eine Task Force an einer Verbesserung der Wettbewerbssituation des europäischen Schienengüterverkehrs. Der VDV sei daran beteiligt und lasse die Ergebnisse des nationalen Prozesses einfließen.

Skepsis gegenüber ETCS-Level-3-Plänen der DB

Zurückhaltend äußerte sich Wolff zu Überlegungen des (VDV-Mitglieds) Deutsche Bahn, das deutsche Schienennetz mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS Level 3 auszustatten. Es sei abzuwägen, was dieser Schritt unter dem Strich bringen würde. Die Frage könne auch nicht von Deutschland alleine entschieden werden, sondern sei von europäischer Relevanz. Aus seinen Gesprächen mit Eisenbahnern habe er den Eindruck gewonnen, das jedes Land sehr an „seinem“ Sicherungssystem hänge. (roe)

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