Förderung für Seeschifffahrt zeigt bisher keine Wirkung

  • Zahl deutscher Seeleute schrumpft ungebremst

Die Zahl der ausbildenden Reedereien und die Zahl der Azubis in der deutschen Seeschifffahrt geht trotz der vom Bund gewährten Unterstützung für die Branche zurück. Das geht aus dem ersten Bericht des BMVI zur Wirkung der gelockerten Schiffsbesetzungsverordnung an den Bundestags-Verkehrsausschuss hervor.

Während 2015 noch 159 neue Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen wurden, waren es 2016 nur 126 Reedereien. Das ist ein Minus von rund 20 Prozent. Die Zahl der Reedereien, die neue Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen haben, ging gleichzeitig von 45 auf 42 zurück. Über alle Ausbildungsjahre gab es 2015 468 Ausbildungsverhältnisse, 2016 nur noch 444. Die Zahl aller ausbildenden Reedereien – einschließlich von rund 15 Behörden – stagnierte bei 56.

Zahl deutscher Seeleute schrumpft ungebremst

Bei den fertig ausgebildeten Seeleuten und Offizieren mit deutschem Pass ging die Beschäftigung annähernd proportional zur Größe der deutschen Flotte zurück – je nach Maßstab 6 bis 8 Prozent. Leicht unterproportional ging nur die Beschäftigung von Schiffsmechanikern zurück, und zwar um gut 5 Prozent. Die mit der Vereinbarung von Dezember 2015 zwischen Reederschaft und Bund angestrebte Rückflaggung und stärkere Beschäftigung deutscher Seeleute ist damit allerdings bisher ausgeblieben. Der Bund lässt eine gewisse Enttäuschung über das Verhalten der Reeder durchblicken: „Das Bundesverkehrsministerium wird gegenüber dem Verband weiterhin auf die Einhaltung und nachhaltige Umsetzung der Vereinbarung vom Dezember 2015 dringen.“

Die Grünen-Schifffahrtsexpertin Valerie Wilms kritisiert allerdings auch das BMVI: „Die relativ schwache Vereinbarung des Verkehrsministeriums mit den Reedern ist nur schwer auf ihre Ziele hin nachprüfbar“, sagte sie gegenüber dem Verkehrsbrief. „Es ist inzwischen niemandem mehr ganz klar, welchen Effekt die verschiedenen Fördertöpfe überhaupt noch entfalten.“ Sie forderte, dass sich die nächste Bundesregierung die Schifffahrtsförderung neu aufstellt. „Statt bürokratischer Gießkannenförderung brauchen wir eine Bezahlung deutscher Seeleute nach internationalem Tarif, mit Steuerfreiheit und Sozialbeitragsfreiheit." (roe)