Dena: Vollständige Elektrifizierung des Verkehrs wird unnötig teuer

  • PtX aus Importen
  • Kein Wunsch und Wolke bei Verkehrsnachfrage
  • Futter für Koalitionsunterhändler

Eine einseitig auf Elektrifizierung ausgerichtete Energie- und Verkehrswende wird voraussichtlich mehr kosten als ein technologieoffener Ansatz. Zu diesem Ergebnis kommt die bundeseigene Deutsche Energie-Agentur (Dena) in ihrem Zwischenfazit der „Leitstudie integrierte Energiewende“, das am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Als Grund dafür nannte Dena-Chef Andreas Kuhlmann unter anderem wesentlich höhere Kosten für den Ausbau der Stromnetze und einen deutlich größeren Bedarf an Stromerzeugung im Inland. Es sei zwar richtig, dass der direktelektrische Antrieb die höchste Effizienz aufweist. Aber zugleich ist Strom für direktelektrischen Antrieb so gut wie nicht speicherbar – mit entsprechenden Folgen für die Stromerzeugungskapzität: „Während der Leistunsbedarf in den Technologiemix-Szenarios um rund ein Drittel steigt, zeigen die Elektrifizierungsszenarios nahezu eine Verdoppelung der gesicherten Leistungskapazität.“

PtX aus Importen

Bei einem technologieoffenen Ansatz hingegen könnten strombasierte Gas- und Flüssigbrennstoffe (Power to X/PtX) aus geographisch begünstigten Regionen importiert werden, zum Beispiel aus Nordafrika oder dem Nahen Osten. Im Vergleich zu heute würde aber wesentlich weniger Energie aus dem Ausland importiert. Einer groben Preisschätzung der Dena zufolge würde PtX-Methan etwa doppelt soviel kosten wie fossiles Erdgas. PtX-Anwendungsgebiete sieht die Dena unter anderem im Luft- und Schiffsverkehr sowie im schwer elektrifizierbaren Teil des Lkw-Verkehrs.

Kein Wunsch und Wolke bei Verkehrsnachfrage

Die Annahmen zur Verkehrsnachfrage wurden laut Dena der Energiereferenzprognose des Bundeswirtschaftsministeriums entnommen. Politisch erzwungene Verkehrsverlagerungen und Verkehrsreduzierungen sind darin nicht unterstellt, wohl aber eine moderate Verschiebung des Modal Split zugunsten von Schiene und Wasserstraße und eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz. Die Grundtendenzen entsprechen denen der Verkehrsprognose des BMVI für den BVWP 2030. Für die Elektromobilität im Pkw-Bereich erwartet Kuhlmann, dass sie sich in den kommenden Jahren von selbst durchsetzt. Oberleitungs-Lkw wurden in der Studie aufgrund zahlreicher Fragezeichen nicht berücksichtigt.

Futter für Koalitionsunterhändler

Mit dem am Dienstag vorgestellten Papier will die Dena vor allem die anstehenden Koalitionsverhandlungen befruchten. In einer zweiten Studienetappe, die bis Mitte 2018 abgeschlossen werden soll, will die Dena die bisherigen Ergebnisse verfeinern und auf Plausibilität und Machbarkeit untersuchen.

In der Studie werden ein Referenzszenario des „Weiter so“, ein Elektrifizierungsszenario und ein Technologiemix-Szenario verglichen. Das Referenzszenario erreicht bis 2050 eine Treibhausgasminderung von lediglich 60 Prozent. Ziel sind laut Klimaschutzplan 2050 aber mindestens 80 Prozent, möglichst aber 95 Prozent. Während die beiden anderen Szenarien die 80 Prozent noch schaffen, werden die 95 Prozent mit jeweils rund 90 Prozent verfehlt. Grund sind technisch unvermeidbare Treibhausgasemissionen aus der Industrie und der Landwirtschaft.

Externer Link:

Zwischenfazit Integrierte Energiewende