Biokraftstoffe langfristig auf dem Rückzug

  • Leichter Rückgang bei Biodiesel
  • Zuwachs für Bioethanol
  • Pflanzenöl ist klarer Verlierer

Absatz und Nutzung von Biokraftstoffen sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurückgegangen, haben sich aber auch qualitativ verändert. Das ergibt sich aus dem Vergleich des Ende vergangener Woche vorgelegten Biokraftstoff-Berichtes des Bundesregierung mit dem Bericht für 2006. Der Bericht für 2016 ist der letzte dieser Art, da die 2004 eingeführte Berichtspflicht mit der jüngsten Änderung des Energie- und Stromsteuergesetzes abgeschafft wird (siehe hier).

Insgesamt konnten durch Biokraftstoffe Jahr 2016 rund 5,2 energetische Prozent des Kraftstoffbedarfs abgedeckt werden, knapp ein Fünftel weniger als zehn Jahre zuvor (6,3 Prozent). 2011 waren es 5,5 Prozent. Die Veränderungen von 2015 zu 2016 sind minimal.

Hintergrund der Verschiebungen und des allgemeinen Rückgangs sind überwiegend die wiederholten Umstellung der Förderkulisse aus Steuerermäßigungen und Quotenregelungen. Zulasten der Biokraftstoffe wirkten sich aber auch die gesunkenen Rohölpreise aus. Selbst die zulässigen Beimischungsquoten (B7/E10/E5) würden aus wirtschaftlichen Gründen nicht ausgereizt, ist aus Fachkreisen zu hören.

Leichter Rückgang bei Biodiesel

2016 wurden 2,1 Mio. t Biodiesel abgesetzt, die fast ausschließlich als Beimischung zu fossilem Diesel verwendet wurden. Zehn Jahre vor waren es noch 2,5 Mio. t, davon 56,6 Prozent als reiner Biodiesel abseits des öffentlichen Tankstellennetzes direkt an geschlossene Fahrzeugflotten, vor allem Lkw. Grund für die Abwendung von reinem Biodiesel war, dass sich die Abgasreinigung der Schadstoffklasse Euro 5/V nicht mehr mit diesem Kraftstoff vertrug. Dieselkraftstoff an den Tankstellen in Deutschland darf heute in der Regel bis zu 7 Prozent Biodiesel enthalten („B7“).

Zuwachs für Bioethanol

Einen deutlichen Wandel machte Bioethanol durch. Zwar hat sich die Verwendung von 2006 bis 2016 von rund 500.000 auf 1,1 Mio t gut verdoppelt, lag aber zwischenzeitlich auch schon etwas höher. Allerdings wurde 2006 Bioethanol überwiegend in weiterveredelter Form (ETBE) beigemischt, während 2016 fast ausschließlich „normales“ Bioethanol zu fossilem Benzin beigemischt wurde (Super E10/Super E5). Der Verkauf von annähernd reinem Bioethanol E85, der in anderen Märkten (Schweden, USA, Brasilien) durchaus eine größere Rolle spielt, hat in Deutschland nie richtig Fuß gefasst und wurde 2016 eingestellt.

Pflanzenöl ist klarer Verlierer

Als Beimischung zu Diesel kamen außerdem rund 170.000t hydriertes Pflanzenöl zum Einsatz. Anders als für Biodiesel gilt die Beschränkung auf „B7“ nicht, sofern die Normanforderungen an Diesel erfüllt werden. Reines hydriertes Pflanzenöl erfüllt die Anforderungen nicht. Hydriertes Pflanzenöl wird überwiegend aus Palmöl erzeugt. 2006 war es in Deutschland noch nicht auf dem Markt. 2011 wurde dieser Kraftstoff noch nicht separat statistisch erfasst, die Bundesregierung schätzte den Absatz aber auf rund 200.000t.

Nur einen kurzen Höhenflug erlebte reines Pflanzenöl („Salatöl“). 2006 wurden davon ca.1,1 Mio. t als Kraftstoff abgesetzt, schon 2011 waren aber nur noch rund 20.000t. Wegen seiner Eigenschaft, bei Kälte zähflüssig zu werden, müssen Aufwärmeinrichtung am Tank und entlang der Kraftstoffleitungen nachgerüstet werden. Vom Biokraftstoffverband VDB verlautete gegenüber dem Verkehrsbrief, Pflanzenöl werde heute nur noch von einigen Agrar-Großbetrieben für den Eigenbedarf erzeugt. (roe)

Quelle: Berichte der Bundesregierung zu Biokraftstoffen/Grafik: roe

Externe Links:

Bericht zur Steuerbegünstigung für Biokraftstoffe 2016

Bericht zur Steuerbegünstigung für Biokraftstoffe 2011

Bericht der Bundesregierung zur Steuerbegünstigung von Biokraft- und Bioheizstoffen 2007 (Berichtsjahre 2006/2007)