Biokraftstoffbranche sieht sich in der Defensive

  • Kritik an geplanter EU-Regulierung

Biokraftstoffen wird seitens der deutschen und der europäischen Politik nur noch eine Nischenrolle zugestanden. Daran ließen Helge Pols von der Stabsstelle Klimaschutz im BMVI und der niederländische Grünen-Europaabgeordnete Bas Eickhout am Montag auf dem Fachkongress „Fuels of the Future“ in Berlin keinen Zweifel. Eickhout ist Berichterstatter des Umweltausschusses für die geplante Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie („RED II“).

Pols und Eickhout wollen Biokraftstoffe nur denjenigen Verkehrsträgern vorbehalten, für die es nach heutigem Stand keine Alternativen gibt. Während Eickhout aber nur See- und Luftfahrt erwähnte, hält Pols den Einsatz von Biokraftstoffe auch im Bereich der schweren Lkw für möglich. Lediglich Paul Greening vom europäischen Autoindustrieverband ACEA machte sich für Biokraftstoffe in allen Kraftfahrzeugen stark und nannte als Grund, dass der Verbrennungsmotor noch lange nicht ausgedient habe.

Kritik an geplanter EU-Regulierung

Die Biokraftstoffwirtschaft selbst bemängelt, dass die EU-Energieministerrat und das Europäische Parlament in der RED II Biokraftstoffen keine höheren Anteile an der Energie für den Verkehr zubilligen und damit CO2-Einsparpotenziale ungenutzt bleiben.

Biokraftstoffe sind derzeit mit fossilen Kraftstoffen preislich nicht konkurrenzfähig. Die prozentuale CO2-Einsparung im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen ist allerdings in den vergangenen Jahre von 30 bis 40 Prozent bis 2016 auf 77 Prozent gestiegen (100 Prozent hieße klimaneutrale Erzeugung). Kritiker werfen der Biokraftstoffbranche vor, mittelbare mit ihren Raps- und Mais-Monokulturen die biologische Artenvielfalt zu schädigen und indirekte Landnutzungsänderungen zu fördern (ILUC).

Konkret bemängelt die Branche, dass die beiden EU-Gremien den Anteil von Biokraftstoffen aus Anbaubiomasse – also vor allem Raps, Mais und Weizen – für die Regulierungsperiode 2020-2030 deckeln oder gar senken wollen, und zwar gemessen an der absoluten CO2-Einsparung. Das bedeute allein wegen steigenden Effizienz (siehe oben) real sinkende Mengen. Derzeit gilt eine energetische Biokraftstoffquote von 7 Prozent über alle Treibstoffsorten (außer Luftverkehr). Würde der Änderungsvorschlag von Eickhout durchgehen, hätte Anbaubiomasse 2030 nur noch einen Anteil von 2 Prozent. Eickhout will aber nach eigener Aussage bewusst die Botschaft aussenden, nicht länger auf Anbaubiomasse zu setzen.

Dagegen wollen Rat und Parlament eine steigende Mindestquote für die Erzeugung sogenannter fortschrittlicher Biokraftstoffe aus Abfällen – zum Beispiel Stroh – einführen. Elmar Baumann vom Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) befürchtet, dass der Branche mit der Herunterfahren der Quote für herkömmliche Biokraftstoffstoffe die Möglichkeit genommen wird, die Investitionen für die Erzeugung fortschrittlicher Kraftstoffe zu stemmen. Diese Gefahr sieht auch Pols.

Wie am Rande der Veranstaltung aus Branchenkreisen zu hören war, sieht man den Vorschlag von BDI und FÖS für eine CO2-Bepreisung (siehe hier) ausgesprochen kritisch. Grund ist, dass die CO2-Vermeidung mit Hilfe von Biokraftstoffen ausgesprochen teuer ist und daher im freien Spiel der Marktkräfte kaum eine Chance hätte. (roe)