Beitrag von Biokraftstoffen zur Klimawende weiter strittig

  • Tank-versus-Teller-Bilanz nicht lösbar
  • Risikofaktor Düngung
  • Welche Einsatzfelder kommen in Frage?

Biokraftstoffe werden aus der Diskussion über ihre tatsächliche Nachhaltigkeit nicht herauskommen. Das ist die Erkenntnis aus einer Veranstaltung der Agentur Erneuerbare Energien (AAE) in Zusammenarbeit in Zusammenarbeit mit den Biokraftstoffverband VDB und dem Ölsaatenverband OVID in Berlin.

Tank-versus-Teller-Bilanz nicht lösbar

„Für jedes Problem gibt es eine Lösung, die einfach, klar und falsch ist“ - mit diesem Zitat des US-Schriftstellers Henry Louis Mencken fasste Prof. Matthias Finkbeiner den Streit über indirekte Landnutzungseffekte (iLUC) durch Biokraftstoffe zusammen. Die in der Praxis nur schwer überprüfbare Theorie besagt, dass durch Biokraftstoffe andere Landnutzungen verdrängt werden und dadurch zusätzliche Belastungen für Umwelt und Klima entstehen. Die Spanne der errechneten Treibhausgas-Mehr- und Minderbelastungen reicht bei Biodiesel von 0 bis 60kg CO2 je erzeugtes Kilogramm Kraftstoff, bei Bioethanol von minus 2 bis plus 10kg. Ursache sei, dass die Autoren je nach Interessenlage die Systemgrenze für ihre Berechnungen enger oder weiter fassen.

IlUC-ähnliche Effekte gebe es aber auch für fossile Kraftstoffe. So könnte man zum Beispiel zu den CO2-Emission aus nahöstlichem Öl noch die CO2-Emissionen aus den Militäreinsätzen zur Sicherstellung dieser Ölquellen aufschlagen.

Finkbeiner selbst ließ keinen Zweifel, dass er die iLUC-Diskussion für absurd hält. Wenn ein Haushalt durch einen energieeffizienten Kühlschrank 200 EUR Stromkosten im Jahr einspart und das Geld dann für einen Wochendtrip ausgibt, müsste dessen Treibhausgas-Emissionen dem Kühlschrank aufgeschlagen werden.

Risikofaktor Düngung

Auch Prof. Heinrich Stichnothe vom Thünen-Institut für Agrartechnologie hob am Beispiel Rapsanbau für Biodiesel darauf ab, dass die Treibhausgas-Einsparung in erhebliche Maße von der Berechnungsmethode und der landwirtschaftlichen Praxis abhängt. Im Idealfall seien rund 70 Prozent möglich. Vorausgesetzt werde aber zum Beispiel, dass auch das Rapsstroh verwertet wird. Aus rein landwirtschaftlicher Sicht sei das aber nicht unbedingt wünschenswert. Ein anderer wichtiger Faktor sei die Düngung. Ideal sei Gülle, doch die Hauptgülleaufkommen in Deutschland seien weit von den Rapsanbaugebieten entfernt. Mineraldünger aber berge die Gefahr der Überdüngung, wodurch das extrem klimaschädliche Lachgas (N2O) entsteht.

Welche Einsatzfelder kommen in Frage?

Der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin plädierte vor diesem Hintergrund für Zurückhaltung beim Thema Biokraftstoffe. Er sehe als mögliche Einsatzfelder eigentlich nur Seeschifffahrt und Luftverkehr. „Ansonsten gibt es einen Konflikt mit nachhaltiger Landwirtschaft.“ Um Tank-versus-Teller-Konflikt zu entschärfen, plädierte er außerdem dafür, tierische Fette zur Verwertung zuzulassen. (roe)